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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Schlosspark Bothmer

Ein erster Überblick

Schlosspark Bothmer Den Auftakt bildet eine 250 Meter lange Festonallee, deren Linden baumharfengleich über eine Hügelkuppe zum Ehrenhof des Schlosses führen. Fledermaus und Singvogel bewohnen die girlandenförmigen Bäume. Musik erklingt auch bei den jährlichen Festspielen im Park. Reichsgraf Hans Caspar von Bothmer (1656–1732) ließ sich das Schloss (1726–32) als Familienstammsitz vom Architekten Johann Friedrich Künnecke errichten. Der Garten liegt, von Alleen gesäumt, auf einer grabenumschlossenen Insel. Zu barocker Zeit war dieser streng rechteckige Inselgarten nur durch das Schloss erreichbar und wirkte wie ein grünes Zimmer. Ein Teil der Orangeriepflanzen stammte damals aus dem ostholsteinischen Gut Sierhagen. Um 1840 wurde der Garten innerhalb des barocken Rahmens landschaftlich umgestaltet und öffnete sich mit weiten Blicken in die hügelige Ostseeküstenlandschaft. Der Eiskeller am Ende der östlichen Allee war einst mit einem Hügel und dem „Schneckenhaus“ als Aussichtspunkt bekrönt.

Die barocken Alleen

Bothmer ist das größte Barockensemble in Mecklenburg-Vorpommern und eines der markantesten Zeugnisse dieser Zeit sind seine Lindenalleen. Bei den alten Bäumen handelt es sich überwiegend um die Sorten Tilia x europaea ‘Konigslinde‘ und ‘Zwarte Linde‘, die schon seit mehreren hundert Jahren bekannt sind und ursprünglich aus Holland stammen. Spätere Nachpflanzungen wurden auch mit anderen Lindenarten vorgenommen. Ursprünglich wurde die barocke Schlossinsel außerhalb als auch innerhalb der Schlossgräben geometrisch von Alleen gerahmt und die Zufahrtsallee führte auf das Schloss als Zentrum der Anlage. Noch heute verleihen der Schlossanlage sieben Alleen ihr Gepräge. Auch erzählen die Bäume durch ihren Wuchs und die Spuren ihrer Pflege die Geschichte aus fast drei Jahrhunderten und deuten auf die Ideale der jeweiligen Epochen.

Eine ausgesprochene Besonderheit im europäischen Raum ist die Festonallee aus geschnittenen Linden, die bereits 1726-30 gepflanzt wurde und deren Stämme gespalten sind. Sie führt vom ehemaligen Vorwerk Hofzumfelde kommend zum einzigen brückenüberspannten Zugang der Schlossinsel und zielt auf den Haupteingang des Schlosses. Dabei gleicht das Herannahen durch die Allee einer Inszenierung, die durch den alleegerahmten Hohlweg und den Geländehügel zunächst nur den Blick auf das prächtige Portal freigibt, dann aber das ganze Schloss perspektivisch immer mächtiger aufsteigen lässt.

Viele Meinungen kursieren, wie die kuriose Zweiteilung der Lindenstämme zustande kam. Lange dachte man, die Stämme wären bereits zu barocker Zeit mit Absicht gespalten worden, um die markante Girlandenform herzustellen. Jedoch zeigen alte Fotos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Stämme noch als Einheit und die Bäume, wie schon zu barocker Zeit üblich, mit geschnittenen Köpfen als Hochhecke, deren Zweige girlandenförmig verbunden waren. Allerdings sollten schon in den 1930er Jahren Eisenringe, die um die Stämme gelegt wurden, ein Auseinanderbrechen verhindern. Die Vermutung liegt nahe, dass die Stämme erst im Laufe der Zeit durch das Gewicht der Kronen einfach ausgebrochen sind und nicht mit gestalterischer Absicht gespalten wurden. Heute wird wieder alle drei Jahre zur Astschwere gegriffen, um diese wie Naturskulpturen wirkenden Baumveteranen so lange wie möglich zu erhalten.

Die anderen Alleen rahmen und gliedern die rechteckige von der Graft, also einem Wassergraben nach niederländischem Vorbild, umflossene streng geometrische Schlossinsel. Bei der Querallee, die außerhalb der Insel vor dem Schloss im rechten Winkel zur Festonallee steht, sind deutlich zwei Schnittebenen zu erkennen. Dabei zeigt die untere in etwa zwei bis drei Metern Höhe die Schnitthöhe der Bäume im Barock an. Zu dieser Zeit war die formale Gestalt der Bäume gewünscht und die Bäume wurden deshalb regelmäßig geschnitten. Als es mit dem Einzug der landschaftlichen Parkgestaltung im 19. Jahrhundert „zurück zur Natur“ ging, wuchsen die Bäume hoch. Bis in die 1950er Jahre entstanden so, auch auf künstliche Weise hervorgerufen, mehrstämmige mächtige Kronen. Der Schnitt, der zu dieser Zeit vermutlich aus Pflegegründen ausgeführt wurde, wird durch die obere zweite Schnittebene der Bäume in etwa fünf Metern Höhe markiert. Der heutige Schnitt soll die rund 200 Jahre alten Bäume, deren inzwischen wieder hoch gewachsene Kronen durch das Eigengewicht auseinanderzubrechen drohen, erhalten. Langsam sollen die Bäume dazu wieder auf die Schnittebene der 1950er Jahre eingekürzt werden.

Auf der Schlossinsel, im eigentlichen Garten, sind die alten Alleen teilweise unvollständig oder mit jungen Bäumen ergänzt, denn sie wurden in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs zur Brennholzgewinnung verwendet. Die am vollständigsten erhaltene Allee ist die am westlichen Graben. Ihre parallele Schwester im Osten führt zum Eiskeller in der Nordecke der Schlossinsel.

Auf den Spuren des Landschaftsparks

Genau wie das Schloss, welches bis 2014 umfassend saniert und dann wieder eröffnet werden soll, finden auch im Park Restaurierungen statt. Dazu wurden von Landschaftsarchitekten detaillierte Gutachten und Untersuchungen erstellt, die als Grundlage dienen (s. Literaturverzeichnis). So wurde der Eiskeller kürzlich mit einer neuen Aussichtsplattform ausgestattet, von wo der Blick weit in die Landschaft und durch den Park schweifen kann. Gleichzeitig war der Eiskeller, zur Lagerung von Eis aus der Graft errichtet, mit seiner abgetreppten Klinkerfassade als Blickpunkt am Ende der Allee mit dem so genannten Schneckenhaus bekrönt. Dieses entstand, als der Park ab 1840 landschaftlich umgestaltet wurde.

Damals wurden die strengen Formen des Barockgartens aufgegeben und geschwungene Wege in den Park gebaut, dabei die alten Alleen jedoch erhalten. Nur an einzelnen Stellen entnahm man einige Bäume, um die Aussicht von der Schlossinsel in die Landschaft und auf die Klützer Kirche zu öffnen. Der Blick entlang der barocken Hauptachse auf die im Norden liegende Hügelkette bei Arpshagen fügte sich gut in diese neue landschaftliche Gestaltung ein.

Wichtiger gestalterischer Bezugspunkt im Nordwesten des Parks war einst auch eine Orangerie, deren Grundriss heute durch eine Klinkerfläche markiert wird.

Auch die Kegelbahn am kleinen Fachwerkhaus im Park, dem historischen Dienerhaus, stammt schon aus dem 19. Jahrhundert. Einst stand ganz in der Nähe ein Gartenpavillon, wahrscheinlich zur Bewirtung von Gästen. Das Dienerhaus wird in der Gegend auch als „Weiße Leiche“ bezeichnet, denn als sich 1945/46 im Schloss ein Lazarett befand, wurde es zur Aufbahrung der Leichen genutzt. Verschiedene Granitstehlen im Park mit Inschriften wie „Bella“ oder „Turandot“ sind vermutlich Grabstelen für Hunde.

In den 1960er und 1970er Jahren kam es dann zu einer „Rebarockisierung“ des landschaftlichen Parks, was für diese Zeit recht ungewöhnlich erscheint, da das Barock mit seinem absolutistischen Machtgefüge eigentlich der offiziellen DDR-Ideologie widersprach. So entstand aus dem geschwungenen nierenförmigen Teich des 19. Jahrhunderts damals ein nie da gewesener kreisrunder Ententeich mit Entenhaus, wodurch der barocken Formensprache gleichzeitig Volksnähe eingehaucht wurde. Einige der Entwicklungen hatten den Park gestalterisch zerstückelt. Diese wurden in den letzten Jahren rückgängig gemacht. Auch das Wegesystem des 19. Jahrhunderts entstand wieder neu. Dazu dienten historische Archivquellen und Luftbilder als Leitlinie, um die historischen Wege zu ergraben, so dass sie im originalen Verlauf wiederhergestellt werden konnten.

Frühlingsflor und Baumkinder

Der langjährige Gärtner Wolfgang Kaletta, hat den Park seit 1973 in fast 40 Jahren zu einem Frühlingsblütenmeer gemacht. Von März bis Mai stimmt der Blütenflor wöchentlich ein neues Farbkonzert im Park an: Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokusse werden von Narzissen, Buschwindröschen, weißen Veilchen und Himmelsschlüsseln abgelöst, nur um bald Aronstab und der üppigen Rhododendronblüte Platz zu machen.

Interessant ist die im Park zu entdeckende Selbstverjüngung alter Bäume. So wächst nah am gebeugten Stamm einer alten Finnischen Mehlbeere, die sich bereits tief über die Rasenfläche neigt, ein junger Sämling, der sich hier von selbst ausgesät hat. Genauso ist dieses Phänomen an einer alten Hainbuche und einer Esskastanie zu beobachten.

Im schönen Ambiente dieses ganz besonderen Parks finden auf der Parkwiese vor dem Schloss alljährlich die Musikfestspiele statt.

Adresse

Schloss Bothmer
23948 Klütz
Telefon 0173-9220885 u. 038825-379934

Öffnungszeiten

April-Sept 10-20 Uhr, März & Okt. 10-18 Uhr, Nov-Feb 10-16 Uhr; Schloss wegen Bauarbeiten bis voraussichtlich Juni 2014 geschlossen
Eintritt: Park kostenfrei

Anreise

Icon Parken am Schloss

Icon Eisenbahn Grevesmühlen (ca. 12 km)

Icon Bus 240 ab Wismar ZOB "Klütz"

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: 1. April - 31. Okt. tägl. 10.30, 14 & 15.30 Uhr oder auf Anmeldung: 0173-9220885 u. 038825-379934 o. Literaturhaus "Uwe Johnson": 038825-22387
Veranstaltungen: Konzerte, Tag der offenen Tür

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Gutshaus Stellshagen
Gartenhotel Sophienhof
Gartenhotel Sophienhof
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Gärtnereien: Blumenhaus Koth
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Tourist-Information der Kurverwaltung Ostseebad Boltenhagen

 

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