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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Schlossgarten Schwerin

Ein erster Überblick

Schlossgarten Schwerin

Auf der Schlossinsel im Schweriner See ragen die vielgestaltigen Türme des Schlosses märchengleich über die Wipfel der Bäume. Ein traumhafter Blick eröffnet sich von den Terrassen der Orangerie auf den See. Den über Brücken erreichbaren Schlossgarten mit Kreuzkanal entwarf ab 1748 in seiner barocken Form der französische Architekt Jean Laurent Legeay für Herzog Christian II. Ludwig. Skulpturen antiker Götter und Jahreszeitenallegorien (1752) stammen von Balthasar Permoser. An der Weiterentwicklung des Gartens war ab 1840 auch der bekannte Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789–1866) beteiligt, der insbesondere Uferzonen landschaftlich gestaltete und Greenhousegarten und Nutzgärten überarbeitete. Umgesetzt wurden Lennés Planungen vom Hofgartendirektor Theodor Klett. Die Gartenschau 2009 holte die verschiedenen Gartenzeitschichten ans Licht und erweiterte sie mit Neugestaltungen. Konzerte und Schlossfestspiele finden heute im Schlossgarten ein stimmungsvolles Ambiente.

Die Anfänge des Schweriner Schlossgartens

Die einzelnen Gartenstücke des Schlossgartens Schwerin schwimmen wie auf Inseln am Ufer des Schweriner Sees. Burggarten, der Garten mit dem Kreuzkanal, Greenhousegarten und die neue „Schwimmende Wiese“ werden durch Kanäle und Wasserläufe gegliedert, so dass das Wasser allgegenwärtig ist. Dabei haben sich Gestaltungen des Barocks mit ihrer formalen Ausprägung ebenso erhalten, wie die landschaftlichen Neuerungen des 19. Jahrhunderts. Aus jüngster Zeit sind besonders die Gestaltungen und Erweiterungen zur Bundesgartenschau 2009 sehenswert.

Schon im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. befand sich auf der Schlossinsel eine der Hauptburgen der slawischen Obotriten, die 1160 zerstört und durch die Grafen von Schwerin neu aufgebaut wurde. Fortan war Schwerin bis 1358 Residenz der Grafen von Schwerin, danach bis 1918 der Herzöge von Mecklenburg. Im Gebäude befinden sich heute ein Museum und der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

Seit dem 16. Jahrhundert, als die ehemalige Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut wurde, sind auch kleinerer Gärten rund um das Schloss bekannt. Diese wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer wieder erweitert und umgestaltet. Der heutige Burggarten hatte jedoch noch bis in das 19. Jahrhundert hinein weitgehend die Form und Gestaltung einer Bastion. Erst als das Schloss zwischen 1843 und 1857 nach Plänen von Georg Adolph Demmler zu seinem heutigen Erscheinungsbild umgebaut wurde, entstand auch der Burggarten nach Planungen Lennés und Kletts neu im Stil des damaligen Historismus.

Orangeriekultur

Die Schweriner Schlossinsel im Schweriner See ist über zwei Brücken mit der Stadt und dem Schlossgarten verbunden. Auf dieser Insel liegt als Teil des Schlossbaues, achsial unter dem Hauptturm, auch eine aufwendig gestaltete Orangerie, deren begehbares Dach und Kolonnadengänge gleichzeitig Aussichtsterrasse mit Blick über den Schweriner See sind. So entsteht ein fließender Übergang vom Schloss über die Terrassen in die Landschaft. Auch führt von der obersten Terrassenebene noch heute eine breite Treppe direkt zum reich geschmückten Blumenzimmer des Schlosses.

Eine erste Orangerie gab es in Schwerin bereits 1685. Das heutige Gebäude jedoch ist eine Dreiflügelanlage, von englischen Bauten stilistisch beeinflusst, bei der das gusseiserne Glashaus seitlich von zwei aufwändigen terrakottageschmückten Sälen flankiert wird. Halbkreisförmige Kolonnaden umschließen schützend einen zum See hin gerichteten Orangeriehof. Geplant wurde die Orangerie 1843 vom Hofbaurat Georg Adolph Demmler (1804-1886), der auch für den Umbau des gesamten Schlosses verantwortlich zeichnet und den Orangeriebau bis 1850 betreute. Schon vorher wurden auch Pläne (1843) von Gottfried Semper vorgelegt, die Demmler in seine Planungen einfließen ließ. Friedrich August Stüler (1800-1865), der nach der Entlassung Demmlers für die Fertigstellung des Schlosses verantwortlich war, ließ ebenfalls Ideen in den Bau einfließen. Die in den letzten Jahren wiederhergestellte Orangerie beherbergt heute ein Café und Restaurant. Der umgebende Burggarten besticht nicht nur durch seine Ausblicke über den Schweriner See. Das Wasser verleiht diesem Inselgarten durch die geschickte Gliederung der gesamten Uferzone auch selbst Weite. Auch wirkt der Garten durch das gestalterische Zusammenspiel von Elementen verschiedener Epochen, wie dies im Historismus üblich war, sehr abwechslungsreich.

Wasserkünste aus dem Barock

Der Garten, der sich nach Überschreiten der Brücke von der Schlossinsel ausbreitet, erhielt seine prägende Gestaltung bereits zur Zeit des Herzogs Christian II. Ludwig zwischen 1748 und 1756 nach Plänen des französischen Künstlers und Architekten Jean Laurent Legeay (ca. 1710-ca. 1786). Dieser orientierte sich an der zu damaliger Zeit modernen französischen Gartenkunst, die vor allem durch André Le Nôtre inspiriert war. Jedoch schuf Legeay in Schwerin sein ganz eigenes Werk und interpretierte dazu den barocken Formenkanon neu. Ein kreuzförmiger Kanal als beherrschendes Motiv liegt gerahmt von regelmäßig gepflanzten Baumquartieren, den so genannten Bosketts, und den vom sächsischen Hofbildhauer Permoser geschaffenen Skulpturen als langgezogene Achse vor dem Schloss. Antike Göttergestalten und Jahreszeitenallegorien stellten in der höfischen Architektur und Kunst des Barock beliebte Themen dar. Als Sinnbild einer gottgewollten Ordnung, in deren Zentrum sich der Landesfürst selbst sah, verdeutlichten die allegorischen Gestalten auch die Legitimation der von Gott gegebenen Fürstenherrschaft.

Kanäle, die den Garten umschließen, und kleine Kaskaden bereichern das Wasserthema zusätzlich. In Weiterführung des Kanals sollte am Hang ursprünglich eine imposante Wasserkaskade entstehen, die aber nie fertig gestellt wurde. Der heutige Rasenhang war zur Bundesgartenschau mit einem Teppich aus Sommerblumen bepflanzt, die statt Wassers den Hang hinunter flossen und so die barocke Idee aufgriffen. Einst führte die barocke Achse geradewegs in den freien Himmel, nur dieser sollte die Macht des Herzogs begrenzen oder in die Unendlichkeit fortführen. Diese herzogliche Achse fand im 19. Jahrhundert mit dem Bau einer Villa und der Aufstellung des Reiterstandbilds eine Durchbrechung.

Zwar wurden die Bäume im Boskett erst 2006/07 zur Bundesgartenschau 2009 neu nachgepflanzt, das Prinzip entspricht dabei aber der Planung des 18. Jahrhunderts. Zwei Alleen entlang der gegenüberliegenden Kanäle waren ehemals den Herren und den Damen zum getrennten Flanieren zugedacht, woraus sich ihre jeweiligen Namen als Herren- und Damenallee ergeben.

Als nach dem Tod des Herzogs Christian II. Ludwig sein Sohn als sein Nachfolger seine Residenz 1756 nach Ludwigslust verlegte, fiel der Schweriner Schlossgarten fast in einen Dornröschenschlaf. Für rund 80 Jahre unterblieben größere Veränderungen. Jedoch wurde bereits 1818 der Schlossgartenpavillon errichtet, der sich als Café zum beliebten Ausflugsziel der Schweriner entwickelte.

Der Landschaftspark

Mit der Rückverlagerung der Residenz nach Schwerin 1837 durch Herzog Paul Friedrich kehrte auch das herzogliche Interesse an den Gartenanlagen zurück nach Schwerin. 1840 zog der Herzog dazu Peter Joseph Lenné zu Rate, denn seiner aus Preußen stammenden Gemahlin Alexandrine war der Gartenkünstler aus Potsdam bekannt.

Der Entwurfsplan wurde nach Lennés Angaben von seinem Mitarbeiter Koeber angefertigt. Fertiggestellt wurden Lennés Planungen dann nach dem Regierungsantritt (1842) von Friedrich Franz II, dessen Reiterstandbild (1893) heute vor dem Kreuzkanal steht. Lenné erhielt und erneuerte die barocken Anlagen und band sie durch die Erweiterung des Gartenareals in eine landschaftliche Neugestaltung ein, die sich bis nach Zippendorf erstreckte. Auch die Nutzgärten und der Greenhausgarten wurden von Lenné überarbeitet. Ab 1862 veränderte Theodor Klett, der die Lennéschen Planungen umsetzte, den barocken Kreuzkanal dahingehend, dass er die zum Schloss weisenden zangenförmigen Ausläufe zuschüttete und durch die heute vorhandenen Hainbuchenlaubengänge ersetzte, die den Rahmen für das Reiterstandbild bilden sollten.

In den landschaftlichen Gartenerweiterungen spannten sich damals wie heute Parkbrücken über malerisch mit Baumgruppen überstandene Wasserläufe. Die Wege dienten, wie bei Lenné üblich, als stumme Führer durch diese Parklandschaft, die ihren Reiz auch durch die Geländesprünge und wiederkehrende Ausblicke auf den Schweriner See sowie auf die kontrastreichen alten barocken Anlagen zieht. Beeindruckend sind die alten Bäume, so beispielsweise Sumpfzypressen, deren Luftwurzeln skulpturengleich die Wasserläufe begleiten.

Der Greenhausgarten

Zwischen 1838 und 1840 entstand ein als „Greenhaus“ bezeichnetes Sommerhaus mit großem Wintergarten an der Stelle eines bereits 1760 erwähnten Palmenhauses in den Gartenanlagen, die von Lenné ab 1840 neu gestaltet wurden. Das Gebäude wurde für Alexandrine, Gemahlin des Großherzogs Paul Friedrich, errichtet. Die weiße Marmorstatue der Großherzogin, die „Alexandrine“, fand 1907 hier ihren Platz.

Der dazugehörige Garten in Form eines Pleasuregrounds mit ehemals reichem Blumenschmuck, wird passend zum Gebäude als „Greenhausgarten“ bezeichnet. Die heute noch vorhandene pergolabekrönte Umfassungsmauer aus Klinker (1857) entstammt dem Entwurf von Hermann Willebrand. Sie sollte damals den Garten gegenüber den Fuhrwegen der Lennéstraße besser abzugrenzen, und ihn so für die Benutzung des Herzogenpaares angenehmer machen.

Neue Entwicklungen zur Bundesgartenschau 2009

Zur Bundesgartenschau 2009 wurden nicht nur die historischen Gartenanlagen umfassend wiederhergestellt, sondern auch Neugestaltungen vorgenommen, die den historischen Kern harmonisch rahmen. Schöne Staudenpflanzungen begleiten die Uferwege und ziehen sich vom Schlossgarten bis in die Stadt hinein.

Der Uferweg nach Mueß führt über abwechslungsreiche Strecken vorbei an Spiel- und Rastplätzen und öffnet immer wieder den Blick auf das Schweriner Schloss.

Schon vor 1890 wurde auch eine erste Freilichtbühne errichtet. Eine Neue Bühne wurde zur Bundesgartenschau in den Schlossgarten integriert. Veranstaltungen und klassische Konzerte finden jedoch nicht nur hier statt. Ausgewählte Ereignisse verzaubern mit ihrer Musik auch die zur Bundesgartenschau errichtete schwimmende Wiese am Schlossgarten.

Adresse

Alter Garten 3
19055 Schwerin
Telefon 0385-50987348

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, Schlossmuseum: 15.04.-14.10. tägl. 10-18 Uhr, 15.10. bis 14.04. Di-So & Feiertage 10-17 Uhr
Eintritt: Park kostenfrei, Schloss eintrittspflichtig

Anreise

Icon Parken am Schloss

Icon Eisenbahn Schwerin Mitte/ Schwerin Hbf

Icon Bus 10 ab Schwerin Hbf Schloss

Icon Fähre Anleger Schloss

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Gruppenführungen (bis 25 Personen) auf telefonische Anfrage, T 0385 5925222
Veranstaltungen:

Klassische Konzerte, Schweriner SchlossgartenNacht

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  ars vivendi
Schweriner Schloss Localitäten

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Staudengärtnerei Sylvia Göbel

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Schwerin

 

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