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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Park am Landgestüt Redefin

Ein erster Überblick

Park am Landgestüt Redefin

In Redefin vereinen sich Nutzen und Repräsentation, steht Kontemplation neben prunkvoller Außendarstellung. Die weiß leuchtende tempelartige Reithalle (1820–24) und klassizistische Bauten rahmen die Reitbahn symmetrisch ein. Diese Inszenierung bildet die prächtige Kulisse für Hengstparaden und Orchester zum Schlag der Hufe. Versteckt dazu, hinter hohen Raseneisensteinmauern, zugänglich über ein Tor nahe am Café, liegt der eigentliche Park. Einst war dieser ein großzügiger Nutzgarten für die Gestütsbewohner. Dabei leitet der Gartenhauptweg den Blick geradewegs auf die Rousseauinsel im Teich als Auftakt zu einem kleinen klassizistisch geprägten Landschaftspark jenseits des Wassers. Alte Eichen und Buchen stammen aus der Entstehungszeit um 1812. Einst bildeten ein in Resten erhaltener Eiskeller und vermutlich auch der „Heller“, ein alter Burghügel, romantische Parkstaffagen. Weite Blicke führen in die von Rotwild und Pferden belebte Szenerie der wiesen- und waldreichen Landschaft.

Redefin bedeutet Pferdeduft

Gegründet wurde das Gestüt 1710 unter Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin. Hier wurden edle Pferde für den herzoglichen Marstall gezüchtet, denn die Pferdezucht war existentiell für den Fürstenhof. Nachdem Redefin von 1795 bis 1810 verpachtet war, brachte das Jahr 1812 einen strahlenden Neuanfang als Landgestüt. Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin hatte nach dem Ende der napoleonischen Kriege das Bestreben, die Pferdezucht zu verbessern. Dazu entstanden zwischen 1819 und 1824 unter dem Oberstallmeister Vollrath Joachim Helmuth von Bülow neue Gebäude nach Plänen des in Schwerin tätigen Architekten und Baumeisters Carl Heinrich Wünsch (1779-1855).

Eine Zufahrtsallee aus Linden und einigen Rosskastanien führt zum Eingang der eleganten Anlage im klassizistischen Stil. Rund ein Dutzend Gebäude in vornehmem Weiß gruppieren sich dabei in strenger Symmetrie um eine langgestreckt rechteckige Parkfläche, deren äußerer Ring von einer hippodromförmigen Reitbahn gebildet wird. Dominierend ist das Portal der Reithalle im Stil eines klassizistischen Tempels und bekrönt mit der Skulptur eines Pferdes. Hierin zeigt sich die Bedeutung, die der Pferdezucht beigemessen wurde. In der Anlage ist das heutige Verwaltungsgebäude, das ehemalige Landstallmeisterhaus, das einzige Überbleibsel der Vorgängeranlage. Es wurde ab 1819 mit einer Schaufassade den strahlenden klassizistischen Gebäuden angepasst. Alle Bauten tragen hinter ihren repräsentativen Fassaden eine gestütsbezogene Funktion, wie das Inspektorenhaus und das Rossarzthaus oder die verschiedenen Ställe.

Die von Feldsteinen eingefasste, heckengesäumte Schwemme mit alten Buchen zur Markierung der beiden seitlichen Zugänge, diente zur Abkühlung und Säuberung der Pferde. Sie liegt symmetrisch zwischen den beiden loggiageschmückten Gebäuden, die einst Rossarzt und Inspektor zugedacht waren und passt sich in ihrer runden Form in die Symmetrie der Anlage ein.

Eine Pferdestatue vor der Schwemme kam erst 1946 nach Redefin. Zuvor schmückte sie einen Pferdestall im etwas weiter nördlich gelegenen Ort Tessin. Woher die Hirschskulptur am ehemaligen Landstallmeisterhaus stammt, ist nicht bekannt. Sie kann jedoch als Anklang an den Wildreichtum der Gegend verstanden werden. Ähnliche Hirsche zeigen historische Fotografien einst auch auf dem Zufahrtstor des nahe gelegenen Gutes in Schwechow.

In repräsentative Formen gegossen, beeindruckt die Gestütanlage ihre Besucher. Noch heute dient das Gestüt der Zucht und der Durchführung von Hengst- und Stutenprüfungen. Im Zuge der Renovierung der historischen Gestütsanlage wurde 1998 auch eine neue Reithalle hinter dem historischen Reithallenportal errichtet, dessen anschließende Restaurierung von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) gefördert wurde.

Auf dem Reitplatz vor der Reithalle finden die alljährlichen Hengstparaden, Reit- und Fahrturniere, sowie die klassischen Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern einen würdigen Rahmen. Die Ereignisse sind wahre Feste für Augen und Ohren. Rassige Hengste präsentieren sich in rasanten Darbietungen mit Reiter oder Wagen. Musik vereint sich bei den "Picknick-Pferde-Sinfoniekonzerten" mit ästhetischer Reitkunst und ländlichem Charme beim Gartenschmaus auf dem Rasen.

Der alte Nutzgarten

Die gärtnerischen Anlagen schuf der Oberstallmeister von Bülow im frühen 19. Jahrhundert zusammen mit dem Garteninspektor Schmidt aus Ludwigslust. Ein historischer Gartenplan wurde allerdings bislang nicht gefunden. Der eigentliche Garten und Park der Bewohner liegt dabei seitlich der formalen Gestütsanlage hinter einer hohen Mauer aus Raseneisenstein. Der Zugang durch diese Mauer erfolgt von einem gemütlichen kleinen Hof, der vom Café im ehemaligen Kutschstall, der Besucherinformation in der alten Remise und dem Landstallmeisterhaus, gebildet wird.

Betritt man den Garten, liegt links auch das ehemalige, heute privat genutzte Gärtnerhaus. Dieser Gartenteil, der zur Schweriner Bundesgartenschau 2009 wiederhergestellt wurde, war früher ein großer Nutzgarten, der zum Landstallmeisterhaus, dem so genannten Falkenhayn, gehörte. Alte Heckenpflanzen aus Hainbuche zeugen noch von der Einfassung dieses formal gestalteten Gartenbereichs. Eine Frühjahrsblumenwiese mit Narzissen, Scilla und Wildkrokussen unter neu gepflanzten Obstbäumen erinnert an die ehemalige Nutzung.

Alte Bäume, Frühlingsblütenschaum und ein ausgefeiltes Wassersystem

Die wiederhergestellte Wegehauptachse dieses Nutzgartens zielt heute wie ehedem geradewegs auf die kleine Rousseauinsel im Teich, die mit drei noch jungen Säuleneichen bepflanzt ist. Diese ist Teil eines ehemals klassizistischen Landschaftsparks, der sich jenseits des langgezogenen Gewässers erstreckt. Der Teich im Park besaß neben seinem gestalterischen Wert auch einen praktischen Nutzen als Teil eines umfänglichen Wassersystems, das über Gräben mit den Flüssen Sude und Lake verbunden war und die umliegenden feuchten Wiesen durch Entwässerung erst für die landwirtschaftliche Nutzung ertüchtigte. Geschickt wurden so die funktionalen Bedürfnisse gestalterisch überhöht. Eine kleine Brücke führte schon 1825 an der engsten Stelle über den Teich und wurde kürzlich in moderner Form wieder hergestellt.

Nach den noch heute im Park auffindbaren Elementen lässt sich vermuten, dass der Landschaftspark neben der damals so beliebten und viel kopierten Rousseauinsel auch weitere typische Gestaltungselemente solcher Anlagen besaß, wie sie in Wörlitz in Vollendung bewundert wurden. Der Park in Redefin war jedoch eher einfach gehalten, was auch durch den historischen Baumbestand deutlich wird, der überwiegend aus mächtigen alten Exemplaren heimischer Baumarten wie Eiche, Esche und Buche besteht, die im Herbst ein buntes Farbenspiel erklingen lassen.

Die in Teilen wieder hergestellten landschaftlichen Wege führten auch zum Eiskeller, der heute als kleiner Wall an der höchsten Stelle im Park noch in Resten erkennbar ist. Hier kann ein ehemaliges Bauwerk vermutet werden, welches auch Blickpunkt im Park war. Genauso führten Ausblicke in die Landschaft und zum Heller, einem grabenumschlossenen alten Burghügel aus dem 14. Jahrhundert östlich außerhalb des Parks.

Im Frühling breiten ein Meer aus Maiglöckchen am Eiskeller und Buschwindröschen unter den alten Bäumen eine verspielte weiße Decke im Park aus.

Adresse

Betriebsgelände 1
19230 Redefin
Telefon 038854-6200

Öffnungszeiten

Park Mo - Fr 6-17 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken am Gestüt

Icon Eisenbahn Hagenow Land (ca. 9 km)

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen:

Keine Parkführungen, Gestütsführungen nach Voranmeldung, T 038854-6200

Veranstaltungen:

Hengstparaden und Konzerte

Gastronomie

Icon  Cafe  Café „Zum Kutschstall“
Gästehaus des Landgestüts Redefin

Freundeskreise und Fördervereine

Förderkreis Landgestüt Redefin e.V.

Weiterführende Informationen

Ludwigslust-Information

 

Kontakt

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