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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Landschaftspark Raben Steinfeld

Ein erster Überblick

Landschaftspark Raben Steinfeld

Vom Steilufer des Schweriner Sees schweift der Blick aus dem Park über das Wasser zum Schweriner Schloss. Die beste Sicht eröffnet sich heute vom Aussichtsplatz am Seeufer, wo einst das Pumpenhaus stand. Die Schweriner Herzöge errichteten in Raben Steinfeld ab 1849 ein Mustergut und verbrachten hier ihre Sommerfrische. Die herzoglichen Verbindungen zeigen sich noch in den Symbolen der Fenster und Giebelwappen an Landarbeiterhäusern (1863–69) und Schloss (1884–86). Der Park (1851/1861) entstand nach Plänen des Hofgärtners Theodor Klett als englischer Landschaftspark. Mächtige Eichen stammen aus der vormaligen Hutenutzung und wurden von Klett mit malerischen Baumgruppen ergänzt, die noch heute ein schönes Licht- und Schattenspiel auf die von Wildblumen betüpfelten Wiesenflächen werfen. Die Einrichtung einer Forstschule im Schloss (1947–95) brachte weitere Baumbesonderheiten in den Park. Eisvogel, Zaunkönig und Waldkauz ergänzen das Wipfelrauschen um schöne Naturklänge.

Die Entstehung des herzoglichen Hausguts

Das Dorf "Stenfeld" wurde am 11. Januar 1410 Heinrich von Raven als Lehen übereignet und war seit 1621 Gutsdorf der Familie von Raven. Im Jahr 1683 fiel das Dorf mit dem Gut zurück an den Großherzog. Etwa ab dieser Zeit wurde das Dorf Raben Steinfeld genannt. Der erste Teil des Namens kam dabei von den von Ravens, der zweite ältere Teil des Namens stammt von den steinreichen Feldern, die mit eiszeitlichen Findlingen durchsetzt sind. Ab 1683 bewirtschafteten zunächst noch wechselnde Pächter das Anwesen. Erst 1848 wurde Raben Steinfeld zum großherzoglichen Hausgut und Großherzog Friedrich Franz II. (1823-1883) begann mit den Umgestaltungen nach Planungen des Schweriner Hofbaurats Hermann Willebrand (1816-1899). Zunächst entstand ein großherzogliches Gestüt, welches jedoch bald schon verlegt wurde. Anfang der 1860er Jahre dann fasste der Herzog den Entschluss, Raben Steinfeld zu einem Mustergut umzugestalten, ein Herrenhaus sollte der großherzoglichen Familie als repräsentativer Sommersitz dienen. Im Frühjahr 1862 starb jedoch die Frau von Friedrich Franz II., Großherzogin Auguste (1822-1862), so dass die Baumaßnahmen zunächst eingestellt wurden. Der Herzog ließ sogar den 1861 begonnenen Rohbau des neuen fürstlichen Wohnhauses wieder abtragen, um dann wieder im alten Landhaus zu wohnen.

Erst eine Reise Friedrich Franz‘ II. durch Südengland inspirierte ihn zum Weiterbau. An der Leezener Straße entstanden ab 1863 zunächst zwei schmucke Doppelkaten im englischen Landhausstil nach einem Entwurf von Willebrand, später auch weitere Ställe und Landarbeiterhäuser. Willebrand ließ auch die Vorstellungen seines Amtsvorgängers Georg Adolf Demmler in seine Planungen einfließen. Dabei wurde die umgebende Landschaft mit ihrem schönen Baumbestand in die Dorfgestaltung mit einbezogen. Vor allem die alten Solitäreichen an der Leezener Landstraße und in unmittelbarer Dorfumgebung wurden wirkungsvolle Bezugspunkte und Teil von Sichtachsen.

Als Sommerresidenz wurde das Schloss Lieblingsaufenthaltsort der fürstlichen Familie, wo hochrangige Gäste empfangen wurden. Aus dieser Zeit stammt auch das neue backsteinerne Schloss (1884-86) im Stile der Neorenaissance, welches unter Herzog Friedrich Franz III wiederum nach Plänen Willebrands gebaut wurde.

Ab 1883 war Raben Steinfeld auch Wohn- und Witwensitz der Herzoginnen, wie Marie von Mecklenburg, geb. Prinzessin zu Schwarzburg-Rudolstadt, der dritten Frau des Großherzogs Friedrich Franz II. Spätere Bewohnerinnen waren die Schwester der Großherzogin (ab 1887) oder Anastasia Michailowna (1860 – 1922), die Witwe Friedrich Franz III. (1851 – 1897). Letzte herzogliche Bewohnerin war bis 1945 die Großherzogin Elisabeth von Oldenburg, geb. Herzogin zu Mecklenburg. Bereits 1941 wurde im Haus jedoch auch ein Kriegslazarett eingerichtet, später war hier die Forstschule ansässig. Heute harrt das Schloss einer neuen Nutzung.

Ein Blick in die ideale Gartenlandschaft

Der heutige Landschaftspark in Raben Steinfeld geht auf die Planungen des Hofgärtners Theodor Klett zurück, der 1851 von der großherzoglichen Familie mit der Aufgabe betraut wurde, einen klassischen Landschaftspark anzulegen. Vermutlich auch wegen unzureichender Geldmittel wurde der Park erst zehn Jahre später, nämlich 1861 fertig gestellt. Aus der Vornutzung des Parkbereichs als Hutung, also als so genannte „Boom Koppel“ oder Waldweide, waren schöne alte Eichen bereits vorhanden, die sich vorzüglich in Kletts Ideal einer Nachahmung der schönen Natur und in seine behutsame Geländemodellierung einfügten. Gleichzeitig öffnete er den Baumgürtel aus alten Eichen und Buchen rund um den Park, um so über weite Blicke die Anlage mit den umgebenden Pferdeweiden mit ihren prächtige Alteichen und mit der parkartig gestalteten Landschaft um Schwerin in einer klassischen Verbindung des Nützlichen mit dem Schönen zu verbinden. Die Inszenierung des Steilufers, gut 25 Meter über dem Schweriner See gelegen, mit Blick auf das Schweriner Schloss, unterstrich symbolisch auch den herzoglichen Einflussbereich. Als Hausgut der großherzoglichen Familie bestanden zwischen Raben Steinfeld und der Schweriner Residenz enge Verbindungen. Die Wirkung des Parks als Aussichtsbalkon mit weitschweifenden Blicken über den Schweriner See ist heute durch den hohen Baumbewuchs noch an einigen wenigen Stellen nachzuempfinden.

Wichtiger Bestandteil des Parks waren im 19. Jahrhundert verschiedene kleine Parkarchitekturen, die als schöne Staffagebauten Blickpunkte für Sichtachsen im Park waren. Gleichzeitig boten die Gebäude des Gutsdorfes mit ihren schönen Schmuckgiebeln ihrerseits wichtige Gestaltungspunkte vom Park aus.

Im Park war der rohrgedeckte Pavillon auf dem heutigen Friedhofsgelände, der 2006 unter Verwendung von originalen und rekonstruierten Bauteilen wiedererrichtet wurde, und über die weite Wiesenfläche in axialer Verbindung zum Gutshof stand, bedeutend. Verschwunden sind heute ein Hainbuchenlaubengang und eine rohrgedeckte Fachwerklaube (1862) im Schweizer Stil, die als Prinzen-, Puppen- oder Kinderhaus bezeichnet wurde, da es das Spielhaus der herzoglichen Kinder war. Auch die als „Schöner Blick“ bezeichnete Mooslaube, deren Seiten teilweise mit einem Astholzgitter verziert waren und als Schutzhütte und überdachter Aussichtspunkt am oberen Uferhang stand, existiert nicht mehr. Von hier öffneten sich Sichten über den Schweriner See zum Ziegelwerder, Kaninchenwerder und zum Schweriner Schloss. Da der Standort dieser Mooslaube später zur Zeit der Forstschule als Übungsplatz für die Jagdbläser genutzt wurde, wird der Platz auch als Bläserplatz bezeichnet.

Über das ehemalige Pumpenhaus am Seeufer und den hoch gelegenen Wasserturm im Park, dessen Stumpf nahe dem Bläserplatz noch erhalten ist, wurde einst Wasser gefördert und gespeichert. Die Pumpen im Pumpenhaus wurden ursprünglich durch Pferde, später durch Elektromotoren angetriebenen. Über den alten Gebäudefundamenten befindet sich heute die Aussichtsplattform am See. Eine Findlingsmauer von 1854 begleitet den Weg vom Ufer hinauf zum Park, wo der Feldsteinstumpf des Wasserturms heute Fledermäusen Quartier bietet.

Kletts Bäume und die Forstschule

Theodor Klett (1808-1882) verwendete in seiner Gestaltung des Parks die markanten alten Hutungseichen, die als so genannte „Raben Steinfelder Eichen“ bekannt sind, sowie einige Bäume des ehemaligen Rot-Buchenwaldes. Die wahrscheinlich älteste Eiche im Park ist die „Kindereiche“ mit einem Umfang von über fünf Metern. Sie ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Auch neue interessante Bäume wurden von ihm und im Verlauf des 19. Jahrhunderts gepflanzt. Dazu gehören heute wertvolle Altbäume mit mächtigen Stammdurchmessern wie verschiedene Linden- und Ahornarten, Schwarznuss, Schnurbaum, Rotblütige Rosskastanie, Trompeten- oder Tulpenbaum. Unter den Bäumen breitet sich im Frühling ein blühender Teppich aus Leberblümchen, Buschwindröschen, Waldmeister und Maiglöckchen aus.

Klett benutzte auch Nadelgehölzen als Gestaltungselement so beispielsweise einige Lärchen in lockerer Gruppierung. Die alten Eiben am Herrenhaus und am Wasserturm hingegen wurden erst nach Fertigstellung des Herrenhauses zu Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt.

Als ab 1947 eine Forstschule im Schloss eröffnet wurde, kamen weitere Neupflanzungen in den Park, die meisten davon Nadelgehölze, die zum Zweck der forstlichen Ausbildung im Sinne eines Arboretums angepflanzt wurden. Diese Pflanzungen nahmen wenig Rücksicht auf die ehemalige Gestaltung des Parks mit seinen sensiblen Blickverbindungen, so dass der Landschaftspark in dieser Zeit fast Waldcharakter annahm. Dennoch hat auch die Nutzung als Forstschule interessante geschichtliche Spuren und sehenswerte Bäume hinterlassen. Dies wird durch einen Gedenkstein am Parkeingang nahe am Schloss gewürdigt. Auch hat die forstliche Nutzung in Raben Steinfeld eine lange Tradition, die bis in das 17. Jahrhundert zurück reicht. Bereits ab 1685 erhielt die Glasmacherfamilie Kauffelt die Erlaubnis, im Steinfelder Holz, einem Waldpark aus Rot-Buchen, Holz zum Betrieb ihrer Glashütte zu schlagen. Der Oberforstmeisters Karl von Pressentin setzte während seiner Pachtzeit in Raben Steinfeld in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Erkenntnisse der Agrar- und Forstwissenschaft um, so dass sich der in dieser Zeit durch Hutung verbissene und durch Abholzung zerstörte Wald regenerieren konnte. Noch heute wird der Wald rund um den Ort Raben Steinfeld forstlich genutzt.

Im Landschaftspark selbst begann ein „Parkaktiv“ 1997 damit, sich für die fachgerechte Pflege des Parks und seine Wiederherstellung einzusetzen, um so die Verwaldung der letzten Jahrzehnte in diesem Bereich rückgängig zu machen. Dies führte dazu, dass der denkmalgeschützte Park nach den Planungen des Landschaftsarchitekturbüros Pulkenat (s. Literaturliste) behutsam wiederhergestellt und das kontrastreiche Zusammenspiel zwischen Parkgestaltung und umgebender Wald- und Wiesenlandschaft wieder verdeutlicht werden konnte. Die feierliche Eröffnung fand im Herbst 2012 statt.

Wipfelrauschen und Vogelgesang

Neben dem Rauschen des Windes in den hohen Baumwipfeln und dem Schlag der Wellen am Seeufer tragen auch seltene Vögel zu den Naturtönen im Park bei. Der Park Raben Steinfeld grenzt unmittelbar an das EU-Vogelschutzgebiet „Schweriner Seen“ und liegt teilweise im Naturschutzgebiet „Görslower Ufer“. Der Kliffhang und das Naturschutzgebiet "Görslower Ufer"  sind seit Mai 2013 Eigentum der kommunalen Stiftung "Mensch und Natur". Bislang gehörte der Kliffhangbereich dem NABU, der im Sinne einer naturnahen Bewirtschaftung für eine nur langsame und sehr behutsame Öffnung von Parksichtachsen über den See plädierte. Die überwiegend bewaldeten Steilhängen am Ostufer des Schweriner Sees werden dabei jedoch weniger von Raben bewohnt, wie der Ortsname vermuten lässt. Sie bieten vielmehr idealen Lebensraum für Eisvogel, Zaunkönig oder Waldkauz. Auch können gelegentlich Sperber und Habicht bei der Jagd beobachtet werden.

Adresse

Forststraße 11
19065 Raben Steinfeld
Telefon 03860 - 634

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Forststraße am alten Herrenhaus

Icon Eisenbahn Schwerin Mitte (ca. 9 km)

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen:

Führungen auf Anfrage, T 03860-634

Gastronomie

Hotel und Restaurant Rabenstein
Süduferperle

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Schwerin

 

Kontakt

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