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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Jagdschloss Friedrichsmoor

Ein erster Überblick

Jagdschlossensemble Friedrichsmoor

Der ehemals herzogliche Jagdsitz liegt eingebettet in das Waldgebiet der wasserreichen Lewitz, deren slawischer Name sich bereits aus ihrer Wildvielfalt herleitet. Eine französische Bildtapete von 1814 im Gartensaal des Schlosses zeigt Szenen der höfischen Rotwildjagd. Der so genannte „Breite Graben“ hinter dem Jagdschloss (um 1790) speiste mit dem Wasser der Lewitz einst über ein Grabensystem sogar die Wasserkünste im Ludwigsluster Schlosspark. Diese wichtige Verbindung verdeutlicht die Eichenallee, die – als schnurgerade Wegeverbindung von Ludwigslust kommend – in barocker Manier bis zum Jagdschloss und dahinter als Achse aus geschnittenen Eiben bis zum ehemaligen grabenumschlossenen Rotwildgatter führt. Heute werden am Schlossrestaurant nicht nur die Jagdhörner geblasen, Heiratswilligen läuten auch die Hochzeitsglocken. Zwischen den majestätischen Eichen und Buchen steht am Waldrand ein „Hochzeitsschuhbaum“, an den die Brautschuhe zum Zeichen ewiger Treue genagelt werden.

Wie beim gestiefelten Kater

Inmitten des weiten Waldgebiets der Lewitz, das sich auf Grund seines natürlichen Artenreichtums für die Jagd anbot, wurde bereits um 1700 im Auftrag von Herzog Friedrich Wilhelm ein erstes einfaches Jagdhaus errichtet. Dieses wurde zwischen 1780 und 1791 unter Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin durch einen dreiflügeligen Schlossbau im Fachwerkstil nach einem Entwurf von Hofbaumeisters Johann Christoph Heinrich von Seydewitz (1748-1824) ersetzt. Dieser baute um 1800 auch die katholische Kirche im Ludwigsluster Schlosspark.

Die Beschreibung, die Marie von Bunsen, Schriftstellerin, Malerin, Reisende und Berliner Salonière 1915 von Friedrichsmoor gibt, gilt heute nicht minder: „Halbwegs kreuzte ein kleiner Wasserlauf, hier landete ich und wanderte durch den Wald nach dem Friedrichsmoor-Jagdschloß. Am Wasserlauf ging ich an leuchtend grünen Wiesen vorbei, immer im Schatten der Eichen, Pilze und Farne, Schmetterlinge am Weg, weit und breit kein Mensch zu sehen. Dann schimmerte am Ende des Eichenganges etwas Helles, ich kam an ein wie verzaubert daliegendes Schlößchen. Das einfache weiße Fachwerkhaus mit seinen Flügeln, seinem gebrochenen rötlich-braunen Dach lag im bläulichen Schatten, die Türen, die Fensterläden waren grünlich, das grüne Hauptportal schmückten springende grüne Hirsche und ein Jagdhorn, grausteinerne Stufen führten hinauf. [...] Sonnenbeschienene Gräser und Maßliebchen wuchsen im Hof, [...]. Auf den vorgekrallten Wurzeln einer gewaltigen Esche rastete ich und sah die Vergangenheit vor mir.“ (Aus: Bunsen, Marie von 1936.).

Auch das umgebende Dorf gehört gestalterisch zum Jagdschlossensemble. Die Gehöfte wurden so entlang der Zufahrtsallee aufgereiht, dass die Gärten und Äcker der Allee am nächsten waren, im Hintergrund malerisch die Bauernhäuser lagen, mit den Scheunen als Wirtschaftsgebäuden versteckt dahinter. Dadurch bot sich dem Herzog bei seiner Anreise aus Ludwigslust ein malerisches Bild, wie es beispielsweise im Märchen „Der gestiefelte Kater“ beschrieben wird, wo die Leute in anmutiger Landschaft das Gras mähen und die Felder bestellen.

Alleen und Wasserkünste

Als barocke Erinnerung führt eine schnurgerade Allee aus der Richtung des Ludwigsluster Schlosses geradewegs zum Jagdschloss am Waldesrand. Die Eichenallee reicht heute noch bis nach Neustadt-Glewe, von dort bis Ludwigslust ist die gerade Verbindung nur noch als Waldweg vorhanden. Jedoch drückt die Allee noch immer symbolisch die Verbindung der beiden ehemals herzoglichen Schlösser aus.

Auch lief die barocke Achse in Friedrichsmoor durch die Mitte des Schlosses hindurch und wurde im hinteren Garten mit geschnittenen Eiben fortgeführt bis zum Breiten Graben, hinter dem sich einst das Rotwildgatter befand. Dieses Gatter ist noch in den Resten der alten Torbefestigungen ersichtlich und war wichtiger Bestandteil eines Jagdschlosses. Gleichzeitig war der Breite Graben aber auch bedeutend für die Wasserzuführung der Wasserspiele im Schlosspark Ludwigslust, die aus der Lewitz gespeist wurden. Daher hatte sowohl die Straßenverbindung mit der Allee als auch der Breite Graben im 18. und 19. Jahrhundert große Bedeutung, hinter ihnen verbirgt sich große Gartenkunst. Einst gingen vom Jagdschloss, wie im Barock üblich, weitere strahlenförmige Alleen aus, welche heute nicht mehr zu erkennen sind. Diese wurden vermutlich auch als Jagdschneisen verwendet (vgl. Jersbek auf der Route Stormarn).

Die so genannte Lewitz, großflächig und fast unbebaut, wird von der Elde, zahlreichen Kanälen und Entwässerungsgräben durchzogen und besitzt viele stehende Gewässer. Über ihren Weiten segeln Fischadler, Falken, Seeadler, Milane und Silberreiher. Das Gebiet ist daher als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Auch andere seltene Tiere und Pflanzen finden hier Rastplätze und ideale Lebensbedingungen.

Skulpturen aus alten Bäumen

Bis zu 500 Jahre alte Eichen und Kastanien umgeben das Fachwerkschloss märchenhaft. Zwei alte Linden halten am Eingang Wacht. Aus ehemaligen Bäumen zaubern Holzschnitzer alljährlich beim herbstlichen Holzfest im September interessante Skulpturen. Bei dem beliebten Fest mit jeweils drei bis vier Schnitzern und mehreren Tausend Gästen verbleiben einige der geschaffenen Skulpturen in Friedrichsmoor, die anderen werden versteigert. So entstand aus einem abgestorbenen alten Baum direkt am Standort über vier Jahre hinweg langsam und ganz passend zum Ort die „Jägerskulptur“. Der Künstler, der sich selbst „Karl der Große“ nennt und aus der Gegend um Potsdam stammt, war sogar schon australischer Meister im Holzschnitzen. Derzeit ist eine „Hochzeitsbank“ in Arbeit.

Jagdhornblasen zur fürstlichen Jagd

Direkt am Jagdschloss führen schöne Wege, die von majestätischen Buchen hallenartig gesäumt sind in den Wald. Bis 1918 diente das Jagdschloss ausschließlich dem Landesherrn zum Zwecke der Jagd und so schreibt Marie von Bunsen im Jahr 1915: „[...] hier in Friedrichsmoor trat die Einfachheit [...] zutage. Die damaligen Menschen gaben jedoch lustige Farbentöne, hier drängten sich die Diener in ihren Rotröcken, die grünen Leibjäger mit der Meute. Seine aus Württemberg stammende Herzogin [...] liebte die Jagd, ritt täglich mit ihren Damen aus, trug den kleidsamen Jagdrock mit den Ausschlägen und Tressen, den dreieckigen Hut auf dem gepuderten Haar. So ist sie mit ihren Damen unendlich oft unter diesen Eschen einhergesprengt.“ (aus: Bunsen, Marie von 1936). Zur Jagd nach Friedrichsmoor kamen einst auch namhafte Besucher wie Kaiser Wilhelm I., Wilhelm der II. und Reichskanzler Otto von Bismarck.

Jedoch riss die Jagdtradition auch nach 1918 nicht ab, befindet sich doch gleich gegenüber das Forstamt aus dem späten 18. Jahrhundert. 1964 wurde im Gartensaal des Jagdschlosses zudem die farbenprächtige und seltene Papiertapete „la chasse á Compiègne“, die 1814 in Paris nach Entwürfen des Malers Antoine Charles Horace Vernet (1758-1836) bei Dufour gedruckt und von Großherzog Friedrich Franz I. in Hamburg erworben wurde, aufgehängt. Sie befand sich ursprünglich im Jagdschloss Friedrichsthal nordwestlich von Schwerin und stellt Szenen einer höfischen Rotwildjagd dar. Auch heute noch ist alljährlich am ersten Freitag im Dezember Treibjagd. Wenn sie gegen Mittag beendet ist, kann die "Strecke", also dass erlegte Wild, nach alter Tradition auf dem Rasen am Jagdschloss begutachtet werden. Auch die Jagdhornbläser sind dann, wie schon zu Großherzogs Zeiten, hier zu hören.

In den alten Stallungen des Jagdschlosses werden heute Vollblutaraber und die bekannten Lewitzschecken gezüchtet. Neben Ferien mit dem eigenem Pferd wird auch Reitunterricht angeboten, denn schöne Reit- und Wanderwege laden in das waldreiche Umland.

Zum Hochzeitschuhbaum

Friedrichsmoor ist heute auch ein romantischer Hochzeitsort. Das Schloss mit seinem gemütlichen Restaurant, dem Kaminzimmer und Hotelzimmern bietet dazu den passenden Rahmen. Auch im Garten lässt sich zwischen den geschnittenen Eiben der alten barocken Gartenachse feiern. Jährlich im Januar findet sogar eine Hochzeitsmesse statt. Am Rande des Waldes wartet der Hochzeitsschuhbaum auf die Brautleute. Im Mai 2007 hat er sein erstes paar Schuhe bekommen. Einem alten Brauch folgend nagelt der Bräutigam die Hochzeitsschuhe seiner Braut dort an, damit sie ihm nicht mehr weglaufen kann – natürlich erst nach dem Hochzeitstanz!

Adresse

Schloßallee 10
19306 Friedrichsmoor
Telefon 038757 - 597170

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken am Jagdschloss

Icon Eisenbahn Neustadt-Glewe, ca. 11 km

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage, T 038757 - 597170
Veranstaltungen: Holzfest mit Holzschnitzern jährlich im September.

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Restaurant Jagdschloss Friedrichsmoor

Weiterführende Informationen

Ludwigslust-Information

 

Kontakt

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