Route 1: Schleswig-Schlei
Märchen und Mythen der Schleigärten
Wittkielhof

Ein erster Überblick

Wittkielhof Fürst Pückler, der die bedeutenden Parks von Bad Muskau und Branitz geschaffen hat, soll einen seiner weinseligen Gärtner zur Entziehungskur nach Wittkielhof geschickt haben. Dieser nutzte die Zeit und pflanzte im Park eine Vielzahl seltener und außergewöhnlicher Gehölze – so will es die Legende. Auf wessen Wirken auch immer die Anpflanzungen zurückzuführen sind, der Baumbestand ist beeindruckend. Die einzelnen Schätze offenbaren sich erst dann, wenn man von Baum zu Baum schlendert, in das Gewölbe einer Trauerbuche eintaucht oder Veredlungsstellen betastet. Zwei sehr alte Tulpenbäume sind aufgrund mehrerer Blitzeinschläge zu eigentümlichen Baumgestalten geraten, was ihrem zum Grundwasser strebenden Wurzelwerk geschuldet ist. Die älteste Libanonzeder Schleswig-Holsteins befindet sich unter diesen Baumveteranen, eine geschlitztblättrige Linde, imposante Blutbuchen und mächtige Platanen erinnern an eine Zeit herrschaftlicher Gartengestaltung.

Ein Angelner Dreiseithof

Nähert man sich Wittkielhof von Norden durch die lange Lindenallee, hat man den Eindruck ein Gut zu besuchen. Dabei handelt es sich um einen landschaftstypischen Angelner Dreiseithof, bei dem das zurückliegende Wohnhaus einen besonderen Blickfang bietet. Die Seiten dieser Dreiseithöfe wurden von Wirtschaftsgebäuden gebildet, so dass ein großflächiger Hofplatz entstand. Anders als bei vielen Gutsanlagen, deren Hofplatz nach vorn durch ein Torhaus geschlossen war, sind die Dreiseithöfe nach vorn offen.

Dreiseithöfe entstanden in Angeln seit dem frühen 19. Jahrhundert und sind noch landschaftsprägend. Allerdings sind diese Höfe in ihrem Bestand bedroht. Die einschneidenden Veränderungen in der Landwirtschaft führten dazu, dass die Wirtschaftsgebäude häufig nicht mehr gebraucht werden, leer stehen und dann verfallen. Eine architektonisch ansprechende und denkmalpflegerisch angemessene Nachnutzung wird nur selten gefunden.

Auch in Wittkielhof wird keine Landwirtschaft mehr betrieben, obwohl sich der Hof seit 1927 in Familienbesitz befindet. Der heutige Eigentümer, Heinrich Nissen, hat sich aber dem Erhalt und der sinnvollen Nachnutzung der Gebäude verschrieben.

Seit 1998 wurden das Wohnhaus und die Scheune rechts davon saniert. Dort finden heute Veranstaltungen vom Jazzkonzert bis zur Betriebsfeier statt. Die Scheune gegenüber wartet noch auf ihren Wiederaufbau, sie soll in das Konzept des Hofs als kultureller Veranstaltungsort einbezogen werden.

Landbau in Wittkielhof

Die Geschichte von Wittkielhof geht auf das Jahr 1698 zurück, als der Leibeigene Nis Martensen, damals Pächter auf der Hufe des Stammbesitzes von Wittkielhof, die Pachtstelle erwarb und sich damit gleichzeitig freikaufte. Bis der Hof 1927 in der Besitz der Familie Nissen kam, wechselte er häufig den Besitzer. Eine besondere Ära muss die Zeit von 1819–1882 gewesen sein, als Asmus Petersen den Hof sein Eigen nannte. Sein besonderes Interesse galt dem Tüfteln und Erfinden, insbesondere von Dingen und Verfahren, die der Produktionssteigerung in der Landwirtschaft dienten. Er soll sich besonders um die Grünlandbewirtschaftung verdient gemacht haben: das Windrad, die Selbsttränke und Silos sind wohl seinem Erfindungsgeist zu verdanken.

In dieser kreativen Ära muss auch der Park entstanden sein (ca. 1850), und besagter weinseliger Gärtner könnte tatsächlich seine Hand am Spaten gehabt haben. Fürst Pückler-Muskau (1785–1871) schuf in dieser Zeit den Park von Branitz. Es ist daher nicht abwegig, dass ein indirekter Einfluss durch den Fürsten Pückler-Muskau bestand.

Das gärtnerische Treiben auf Wittkielhof blieb nicht ohne Folgen: da auf Bauernhöfen nichts ohne wirtschaftlichen Nutzen sein sollte, wurden die Gehölzkenntnisse genutzt, um eine Baumschule aufzubauen. Davon zeugen auch einige Bäume auf dem unmittelbar benachbarten Hof, unter anderem stolze Blut- und Trauerbuchen. Diese Baumschule lieferte Linden für die Bepflanzung des Berliner Boulevards „Unter den Linden“, die allerdings inzwischen ausgetauscht sind. Im Zweiten Weltkrieg wurde mit der Anzucht von Gemüsesamen eine weitere Form der Garten- und Landeskultur betrieben.

Raritäten im Garten

Das Wirken des unbekannten kundigen Gärtners um 1850 ist noch heute in Wittkielhof sichtbar. Es wurden viele seltene Bäume gepflanzt, von denen einige noch immer auf dem Hof stehen. Auf dem Wirtschaftshof befindet sich am Wohnhaus ein Rasenrondell, auf dem drei alte Bäume stehen, unter anderem eine Säuleneiche. Ein weiterer junger Baum ergänzt den ursprünglichen Vierklang. 

Über dem Durchgang vom Hof in den Garten wacht ein Löwe. Im Park befindet sich ein Teich, an dem ein romantisches Gartenhaus („Inges-minde"), von alten Platanen beschirmt, Gedanken an märchenhafte Sommerabende aufkommen lässt.

Exkurs: Der Teich ist offensichtlich ein Paradies für die Wasserlinse (Lemna minor). Heinrich Nissen hat festgestellt, dass Gerstenstroh, auf das Gewässer geworfen, kleine Wunder bei der Reduzierung der Wasserlinse wirkt und wieder Wasserfläche sichtbar macht.

Ein Rundgang um den kleinen Teich lässt einen besonderen Blick auf den Garten und den dichten alten Gehölzbestand zu. Zu den ca. 150 Jahre alten Bäumen zählt auch die Libanonzeder (Cedrus libanii), von der in Schleswig-Holstein kein älteres Exemplar bekannt ist.

Beeindruckend sind auch Kulturformen der Rotbuche, darunter eine Blutbuche mit einer ausladenden Veredlungsstelle und eine Trauerbuche, deren Zweigwerk einem runden Vorhang gleicht, hinter dem eine aus Pflanzen errichtete Kuppel liegt. Geschlitztblättrige Linden (Tilia platyphyllos 'Laciniata') sind selbst in Arboreten nur selten zu finden. Auch in Wittkielhof muss man eine Weile suchen, ehe man diesen Baum gefunden hat, denn die Buchen, Tulpenbäume und Platanen, der Mammutbaum und eben diese Linde sind zu einem dichten Bestand verwachsen. Es erfordert schon genaues Hinsehen, um die Kronen den zugehörigen Stämmen zuordnen zu können.

Heinrich Nissen ist sehr darauf bedacht, den besonderen Baumbestand im Garten langfristig zu sichern. Daher sind verschiedene Methoden der Baumpflege sehr eindrucksvoll zu beobachten, unter anderem die Gurte, die quer in einige der Kronen gegen Bruch eingezogen worden sind. Auch stark beeinträchtigte Bäume, wie die durch Blitze geschädigten Tulpenbäume, werden gehegt und gepflegt, um diese ehrwürdigen Gestalten noch möglichst lange zu erhalten. Sollte doch einmal ein Baum endgültig eingehen, ist die Nachpflanzung mit Sicherheit Ehrensache.

Adresse

Wittkielhof
24409 Wittkiel
Telefon 04642 - 920535

Öffnungszeiten

ganzjährig nach Voranmeldung
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken auf dem Hof

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: ganzjährig nach Voranmeldung

Gastronomie

Janbeck´s Café-Pension & mehr

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei Tischler

Weiterführende Informationen

Ostseefjordschlei GmbH
Touristinformation Kappeln

 

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