Route 1: Schleswig-Schlei
Märchen und Mythen der Schleigärten
Holländerhof-Barthel

Ein erster Überblick

Holländerhof Bartel Die Holländer brachten im 17. Jahrhundert die Milchwirtschaft nach Schleswig-Holstein. Auf dem Holländerhof Bartel, auf dem auch heute noch Milch produziert wird, können ein Bauerngarten und eine volkskundliche Sammlung zur Hof- und Hauswirtschaft bestaunt werden. Der Garten wurde in seiner heutigen Form 1959 von der jetzigen Eigentümerin, ihrer Mutter und Schwester als Staudengarten angelegt. Traditionell beherbergte schon früher jeder Bauerngarten in Angeln die Rosensorten Schneeweißchen (Rosa alba ‘Maxima’) und Rosenrot (Rosa centifolia ‘Major‘). Inspiriert von der bekannten Rosenexpertin Gerda Nissen begründete Gretchen Bartel im ehemaligen Gemüsegarten eine Rosensammlung, die über 100 historische Rosensorten aus Bauerngärten der Landschaft Angeln umfasst. Die Rosen und Stauden sind akribisch beschildert, einschließlich der charmanten regionalen Sortennamen wie ‘de Eierros´‘, ‘Tante Dora‘ oder ‚Herr Stöver’.

Vom Landleben vor 100 Jahren

Der Holländerhof wurde bereits 1635 errichtet. Das reetgedeckte Gebäude ist ein typisches Südangelner Fachhallenhaus, in dem Wohn- und Wirtschaftsräume unter einem großen Dach vereint sind. Mit der Intensivierung und Modernisierung der Landwirtschaft veränderten sich auch die Anforderungen an die Wirtschaftsgebäude. Modernere Ställe und Scheunen entstanden, wie auf anderen Höfen so auch auf dem Holländerhof. Im ehemaligen Wirtschaftsteil haben Gretchen und Jürgen Bartel ein privates Museum eingerichtet, das Gegenstände des bäuerlichen Alltags vor 100 Jahren zeigt. Insbesondere die ländliche Hauswirtschaft, d.h. vor allem der Arbeitsalltag der Frauen, kann anhand der Exponate vor dem geistigen Auge der Besucher erstehen. Die bäuerlichen Betriebe waren reine Selbstversorger, verschiedene Getreide und Gemüse wurden angebaut und Kühe, Schweine und Geflügel gehalten. Es wurde gekocht und eingekocht, in großen Steinguttöpfen eingelegt, Holz und Torf zum Heizen gewonnen, die Wäsche geschrubbt und auf der großen Bleichwiese beim Gemüsegarten gebleicht und getrocknet. Für alle diese Tätigkeiten wurden Gerätschaften benötigt, die im Zeitalter elektrischer Haushaltshilfen in Vergessenheit geraten sind und nun auf der Diele des Holländerhofs bestaunt werden können.

Hausbaum: Blutbuche

Eine Lindenallee prägt die kopfsteingepflasterte Auffahrt zum Holländerhof und führt auf die wunderschöne, prächtig mit Blumen geschmückte Haustür. Um in den Garten zu gelangen, muss das Gebäude umrundet werden. Eine Rasenfläche wird von farbenfrohen Staudenbeeten gerahmt, in denen eine stattliche Anzahl an Rosen wächst. Im Rasen steht eine Blutbuche, Angelns Hausbaum, in einem Buchsbaumrondell. Diese Blutbuche wurde auf einer schwachen Unterlage veredelt, die die Krone kaum mehr zu tragen vermag. Mit fachgerechtem Schnitt wird der Baum gelegentlich entlastet. Die Stauden, u.a. die ’Botterblom’ (Trollius) und ’de echte Taubnessel’ (Stachys grandiflora – Ziest) und das ’Eselohr’ (Stachys lanata), sind durch traditionellen Tausch aus anderen Bauerngärten der Region in diesen Garten gelangt. Gauklerblumen und Kaiserkronen haben ebenfalls ihren festen Platz. Der Blick schweift unwillkürlich in die Ferne, denn hinter dem Garten öffnet sich eine sanft gewellte, von Knicks (die in Angeln „Wälle“ genannt werden) durchzogene offene Landschaft, die sich bis an die Schlei zieht.

Das Rosenvirus – Ansteckung in Dithmarschen

Gerda Nissen war um 1980 eine der ersten, die sich wieder den historischen Rosen zuwandte. Nach Jahrzehnten der Züchtungsarbeit, die sich auf Blütenform und -farbe konzentriert hatte, besann man sich auf die Werte historischer Rosen, nämlich Duft und Pflanzengesundheit, aber auch verkörperte Romantik. Einige dieser Sorten überdauern schon seit mehreren hundert Jahren in schleswig-holsteinischen Gärten. Gerda Nissens Buch „Alte Rosen“, in dem 43 bekannte und unbekannte Sorten aus Dithmarscher Gärten beschrieben werden, erregte bei Gretchen Bartel und ihrer Freundin Annelene Martensen aus dem nahen Norderbrarup Neugier und inspirierte sie, sich in Angeln nach historischen Rosen umzusehen. Frau Martensen besitzt einen ca. 700 m² großen Garten, der ganz den Rosen und ihrer systematischen Darstellung gewidmet ist. Zur Rosenblüte ist der Garten ebenfalls zu besichtigen.

Schneeweißchen (Rosa alba ‘Maxima’) und Rosenrot (Rosa centifolia ‘Major‘) waren den begeisterten Gärtnerinnen als rot-weißes Paar im Garten vertraut, denn diese hatten traditionell ihren Platz im Angelner Bauerngarten. Beide hatten im Garten von Gretchen Bartel überdauert. Doch nun galt es, die Sortenvielfalt der Gärten und Friedhöfe Angelns wieder zu entdecken und, wann und wo immer möglich, Ableger zu ergattern und im eigenen Garten anzupflanzen. So kam in 20 Jahren die beachtliche Anzahl von über 100 historischen Rosensorten in den Gärten von Gretchen Bartel und Annelene Martensen zusammen. Centifolien (Rosa centifolia und ihre Sorten) waren in Angelner Gärten – anders als in Dithmarschen – häufig zu finden. Schon in ihrer Kindheit machte Gretchen Bartel aus den Blütenblättern „Parfüm“ und kannte Rosenbowle.

Tante Dora und Oma Mau

Das Finden und Zusammentragen der historischen Rosen war eine Sache, die Sortebestimmung eine zweite. Von vielen Rosen waren nur regionale Sortennamen bekannt, oder Frau Gretchen benannte sie einfach nach dem Fundort – z.B. ’Tante Dora’, wenn sie im Garten von Tante Dora gefunden worden war. Die regionalen Sortennamen waren oft beschreibend und –selbsterklärend. Natürlich besitzt die ’Eierros’ eierförmige Blüten. Aber das war nicht genug, die Fangemeinde der historischen Rosen wuchs, und man wollte nun auch den offiziellen Sortennamen wissen. Also wurden Bücher und Kataloge gewälzt, vor allem aber auch Landpartien in Rosarien und Botanische Gärten unternommen. So mancher Jubelruf tönte durch die Anlagen, wenn mal wieder eine vertraute Rose entdeckt wurde und damit ein Namensgeheimnis gelüftet wurde. ’Tante Tiede’, eine einfache kleinbütige Rose, die bei der Nachbarin wuchs, wurde als Rosa centifolia erkannt. Die ’Eierros’ ist offiziell ’Anna de Diesbach’ und ’Tante Dora’ ist die Bourbonenrose ’Charles Lawson’. Und ’Oma Mau’ wird synonym mit ’Rosenrot’ verwendet.

Das Suchen nach den Wurzeln der Rosen hinterließ seine Spuren im Garten. Irgendwann wurde der Gemüsegarten aufgegeben, um mehr Platz für Rosen zu schaffen, hier ist auch die „Kinderstube“ des Gartens, in der so manche Rose gehütet wird. Der Besuch des Gartens ist für den Rosenfreund auch deshalb so interessant, weil die Pflanzen sehr sorgfältig beschildert sind. Neben dem Sortennamen und dem Jahr der Züchtung ist auch vermerkt, ob es sich um eine Rose aus Angelns Gärten handelt (A) und vor allem, wo die Rose gefunden wurde. Die Fundortnamen „Großmutter Scheggerott“ oder „Christine Petersen Hattlundmoor“ begeistern die Besucher.

Gretchen Bartel bietet nach Voranmeldung Führungen durch den Garten und das Museum an. Ihr Witz und Charme und die Geschichten „op plattdüütsch“ (die natürlich bei Bedarf auch hochdeutsch wiedergegeben werden), machen den Besuch des Holländerhofs unvergesslich.

Hinnerksens Kräutergarten

Hinnerksen ist der Kräuterdoktor in der beliebten TV-Serie „Der Landarzt“, der Schauspieler Gerd Olschewski verleiht der Figur einen etwas schrulligen Charakter. Der Wohnort des Landarztes im Film ist fiktiv und heißt „Deekelsen“, die Dreharbeiten finden an verschiedenen Orten Angelns statt.

Hinnerksens Zuhause ist denn auch der Holländerhof von Gretchen und Jürgen Bartel. Für den Kräuterdoktor spielt natürlich auch der Kräutergarten eine große Rolle, so dass Gretchen Bartel schon Rosenschere und Spaten in die Ecke stellen musste, um Platz für Kamerateams zu schaffen. Damit hat der Garten Bartel bereits Fernsehgeschichte geschrieben.

Adresse

Holländerhof
24392 Wagersrott
Telefon 04641 - 2292

Öffnungszeiten

Mo 14-16 Uhr; andere Termine und Gruppen nach Vereinbarung, T 04641 - 2292
Eintritt: 2,00 Euro

Anreise

Icon Parken vor der Allee rechts an den Bahngleisen

Icon Bus 1623 und 1624 Wagersrott Bahnhof

Serviceinformationen

Icon Hund verboten   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nach Vereinbarung, 04641 - 2292

Veranstaltungsorte

Film & Foto: Holländerhof Bartel

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei Tischler

Weiterführende Informationen

Ostseefjordschlei GmbH

 

Kontakt

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