Route 1: Schleswig-Schlei
Märchen und Mythen der Schleigärten
Gut Krieseby

Ein erster Überblick

Gut Krieseby Die Wurzeln des Gutes Krieseby reichen bis ins 12. Jahrhundert. Die Hofanlage in ihrer heutigen Form und das Gerüst der Parkanlage wurden Mitte des 18. Jahrhundert vom dänischen Kaufmann Christian Otte geschaffen. Heute ist das Gut mit dem charmanten Torhaus in fünfter Generation im Besitz der Familie Kühl. Eine Kastanienallee im Hof lenkt den Blick auf das Herrenhaus. Diese wurde als Brandschutz gepflanzt und erfüllte ihre Funktion beim Brand des Kuhstalls 1912. Der Funkenflug vom brennenden Stall auf die anderen Gebäude wurde damit verhindert, die Alleebäume, die dem Brandherd am nächsten waren, sind wegen der Hitzeentwicklung jedoch nach und nach abgestorben. Der Park liegt hinter dem Herrenhaus, von dessen Anhöhe aus der Blick über die künstlich angelegten Teiche, den herrlichen Baumbestand und dichte Rhododendren schweift. Lindenalleen, in denen Bienen summen, bilden beeindruckende Räume. Welche Episoden der wechselvollen Geschichte dieses Landstrichs hat wohl die 800 Jahre alte Eiche erlebt?

Der Lauf der Zeit

"Die Uhr geht, wie der Wind bläst" heißt es. Im Turm des 1749 erbauten Torhauses von Krieseby befinden sich Uhr und Glocke. Das Pendel der Uhr schwingt frei und ist deshalb dem Wind ausgesetzt. Bei Wind, insbesondere bei Ostwind, geht die Uhr schneller und die Zeit wird scheinbar beschleunigt.

Das Torhaus gehört zu einer für Schleswig-Holstein typischen Gutsanlage. Durchquert man das Torhaus, gelangt man auf einen ausgedehnten Wirtschaftshof. Das Herrenhaus liegt in einiger Entfernung am gegenüber liegenden Hofende, der reetgedeckte Kuhstall und eine Scheune geben dem Hof seine Form. Repräsentation war schon immer groß geschrieben, daher stehen diese nicht genau parallel zueinander, sondern öffnen sich leicht, um den Hof größer erscheinen zu lassen. Das war für den Erbauer des Gutes in seiner jetzigen Form, den Eckernförder Kaufmann Christian Otte, von großer Bedeutung, wollte er doch seinen Platz in adligen Kreisen finden. Dasselbe strebte sein Bruder in Ostholstein an, der einige Zeit Besitzer des Gutes Sierhagen war (siehe Route 3).

Christian Otte fand 1735 ein Gut vor, das schon bewegte Zeiten erlebt hatte. Erstmals wurde es um 1200 erwähnt, und zwar als Meierhof des damals bischöflichen Gutes Stubbe, das ca. 3 km entfernt liegt. Über die Jahrhunderte hinweg waren häufige Besitzerwechsel erfolgt, was auch nach dem Verkauf durch Otte 1771 seine Fortsetzung fand.

1847 stand das Gut wieder einmal zum Verkauf. Hinrich Kühl kam im Einspänner zur Versteigerung und wurde offenbar etwas mitleidig angesehen, denn die anderen Interessenten waren vierspännig angereist. Dennoch ersteigerte Kühl das Anwesen und zahlte dann zur Verblüffung der Konkurrenten auch noch in bar. Dieser Erwerb war der Auftakt zu Beständigkeit, denn heute wird das Gut in 5. Generation durch die Familie Kühl bewirtschaftet.

Lindendome

Die Gutsanlage befand sich bis zum Erwerb durch Christian Otte an einer tiefer gelegenen Stelle im heutigen Park. Otte ließ diese abreißen und das Abbruchmaterial zur Aufschüttung der recht ebenen Hoffläche verwenden, um die gewünschte Symmetrie und Repräsentation der Gutsanlage erzielen zu können. Auf der so entstandenen Anhöhe wurde das Herrenhaus erbaut, das einen prominenten Blick auf den Park bietet, der um 1752 angelegt worden ist. Um die würdevolle Lage des Hauses noch stärker zu betonen, wurde am Fuß des Hügels ein Teichsystem angelegt. In den Park gelangt man denn auch über zwei hölzerne weiße Brücken und eine dazwischen liegende kleine Insel mit Buchsrondell und Rosen. Diese bilden einen romantischen Auftakt vor einer prächtigen Baumkulisse. Unterschiedlichste Parkbäume sind vor ca. 100 Jahren gepflanzt worden, die inzwischen beachtliche Ausmaße erreicht haben. Besonders auffällig ist eine Blutbuche, aber auch eine Esskastanie, ein Magnolie und ein Spitzahorn beeindrucken. Imposante Rhododendrongruppen, die teilweise aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg stammen, und Azaleen sind besonders schmückend, insbesondere wenn sie zur Blütezeit ein Farbenfeuer entfachen.

Im Hintergrund dieser interessanten Gehölze halten sich die Lindenalleen, die die besonderen Schmuckstücke dieser Parkanlage sind. Sie begrenzen den Park an den Außenseiten und trennen den zierenden Parkteil vom ehemaligen Obst- und Küchengarten. Gerade diese Allee in der Gartenmitte ist besonders beeindruckend. Aufgrund ihres Alters von ca. 250 Jahren – die Pflanzung ist also offensichtlich von Christian Otte vorgenommen worden – sind die Bäume zu Baumriesen herangewachsen, die gemeinsam hohe, sakral anmutende Räume bilden und deshalb den Titel „Lindendome“ voll verdient haben. In der Mitte dieser Allee befindet sich ein Rondell, das einer Kuppel gleicht. Zur Pflanzzeit der Bäume herrschten in den Gärten noch barocke Formen vor. Der damaligen Praxis folgend müssen die Bäume regelmäßig in Kandelaberform geschnitten worden sein, was heute noch am Stamm deutlich wird.

Die seitlichen Alleen sind vermutlich jünger und weniger hoch, aber nicht weniger interessant. Sie scheinen in einigen Abschnitte regelrecht auf einem Damm zu stehen, sich den Teichen zuzuwenden oder in einzelnen Fällen fast den Halt zu verlieren. Aus den Alleen heraus ergeben sich interessante Blickwinkel auf das Herrenhaus, die schönen Bäume oder auch über die Teichanlage. Im rückwärtigen Teil der Parkanlage befindet sich der heute ungenutzte Küchengarten, in dem etliche Obstbäume überdauert habe. Die Küchengartenmauer ist einst sehr aufwändig hergestellt worden. Mit Flintsteinen und Findlingen ist eine Mauer gemauert worden. Die sehr aufwändigen Rücksprünge dienten vermutlich der Kultur von Spalierobst.

Die Parkpflege wird nach wie vor überwiegend von Otto-Heinrich Kühl, dem Vater des heutigen Besitzers fachkundig betrieben.

Ein Eichenleben

Am Ende der mittleren Allee und damit in der Nähe des ursprünglichen Siedlungsplatzes des Gutes steht eine 805 Jahre alte Eiche (Stand 2005). Der Baum muss damit seit dem Jahr 1200 hier stehen und die Wirren der Geschichte miterlebt haben. Dass diese Eiche im Jahr 1200 auf dem bischöflichen Meierhof gepflanzt worden ist, kann vermutet werden, bleibt aber im Reich der Legenden. Sicher ist, dass man auf Gut Krieseby Fabelwesen begegnen kann, so dem röhrenden Hirschen.

Adresse

Gut Krieseby 1
24354 Rieseby
Telefon 04355 - 1279

Öffnungszeiten

nach Voranmeldung, T 04355 - 1279
Eintritt: 2,50 Euro

Anreise

Icon Parken auf dem Hof

Icon Eisenbahn Rieseby

Icon Bus 3040, 3030

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen für Gruppen nach Voranmeldung, T 04355 - 1279

Gastronomie

Gut Ludwigsburg
Obsthof Gut Stubbe
Rosenduft und Kochlust
Café Grünlund

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Gut Ludwigsburg
Film & Foto: Gut Krieseby

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Baumschule Meyer

Weiterführende Informationen

Ostseefjordschlei GmbH
Touristinformation Schleidörfer

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen