Route 1: Schleswig-Schlei
Märchen und Mythen der Schleigärten
Bibelgarten St. Johanniskloster

Ein erster Überblick

Bibelgarten St. Johanniskloster, Schleswig Unter alten Bäumen an der Schlei liegt das 800 Jahre alte St. Johanniskloster. Das historische Ensemble ist ein einzigartiger Ort der Einkehr und Kontemplation. Der Bibelgarten, angelegt in der typischen Form eines Klostergartens, lädt zu einer Reise in die Pflanzenwelt der Bibel, der Klöster und der christlichen Legenden. Der Garten erzählt von Wein und Wermut, Judasbaum und Jakobsleiter und der biblischen Bedeutung der Alraune, des Granatapfels und der Madonnenlilie. Im Wegekreuz des Bibelgartens erinnert ein wasserspendender Findling an eine biblische Geschichte, in der Mose auf Gottes Geheiß für das durstige Volk Israel mit seinem Stab Wasser aus dem Felsen schlägt. Aus dem farbigen Bibelgarten gelangt man in den schattig-grünen Skulpturengarten, in dem Arbeiten von sieben BildhauerInnen gezeigt werden. Unter altem Gehölzbestand kann man die biblischen Propheten und bald auch Skulpturen biblischer Tiere in moderner Ausdrucksform auf sich wirken lassen.

Einkehr und Kontemplation in klösterlichen Mauern

Um das Jahr 1200 wurde das St. Johanniskloster von Benediktinermönchen an der Schlei angelegt. Nach der Reformation wurde das Kloster zum evangelischen Damenstift. Die Klostergebäude, also die Kirche, der gotische Kreuzgang einschließlich Kapitelsaal, in dem die Mönche lasen, der Remter und die Stiftsgebäude bilden eine wunderbare Einheit. Die einmalige Lage an der Schlei und der alte Baumbestand, der an eine Parklandschaft erinnert, lassen das Tempo verlangsamen und gebieten Einhalt. Was lag näher, als an diesem geschichtsträchtigen Ort einen Garten anzulegen, der Pflanzen der Bibel und der christlichen Legende zeigt?

Pflanzen der Bibel

Hiermit übergeb ich euch alle Pflanzen der Erde

Genesis 1,29

Etwa 130 Pflanzenarten werden in der Bibel erwähnt. Sie sind Nutzpflanzen des Menschen, dienen als Nahrung, Brennstoff, Rohstoff für Textilien oder dem Genuss des Wohlgeruchs. Einige Pflanzen, beispielsweise die Distel, stehen aber auch symbolisch für Lästiges oder Übles, wie überhaupt der Symbolgehalt der Pflanzen in den einzelnen Bibelversen von hoher Bedeutung ist und sich nicht immer auf Anhieb erschließt. Einige Pflanzen werden nur einmal genannt, andere dagegen, dazu zählen Ölbaum, Feige, Granatbaum, Wein und Weizen, kommen in unterschiedlichen Zusammenhängen vor. Der Bedeutungsgehalt dieser Pflanzen in Christentum und Judentum ist denn auch ein anderer. In der Bibel steht: "... dein Gott führt Dich in ein gutes Land...; ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel sind,..." (5. Moses (8, 7-8).

36 Pflanzen der Bibel oder ihre „Stellvertreter“, d.h. ähnliche Pflanzen, die in unseren Breiten überdauern, gedeihen im Bibelgarten. Sie dienen selbstverständlich der Anschauung und dem botanischen Kennenlernen der Pflanzen. Die kulturelle Dimension dieses Gartens wird schon durch die Erläuterung einiger weniger deutlich.

Ölbaum:

1. Mose 8,11

Das Öl des Olivenbaums war Bestandteil der Nahrung, es diente als Lampenöl und zur Salbung. Aber der Ölbaum steht auch als Symbol für das Leben, Frieden und Hoffnung. Um Noah anzuzeigen, dass wieder Leben an Land möglich ist, trägt die Taube den Ölzweig im Schnabel.

Wein und Feige:

Er sprach zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft? Der Weingärtner aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge. Vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.

Lukas 13

Wein ist eine der bedeutendsten Kulturpflanzen überhaupt und hat in der Bibel verschiedene symbolische Bedeutungen, darunter steht er für Gottes Gnade (Amos 9,13) oder für Christus selbst (Johannes 15,1–2). Die Existenz eines Weingärtners allein verdeutlicht den Stellenwert des Weines.

Das Feigenblatt ist dem mitteleuropäischen Kulturkreis aus dem Alten Testament als Schurz für Adam und Eva vertraut (1. Mose, 3,7). Jesus nennt den Feigenbaum in verschiedenen Gleichnissen, z.B. als Bild für das Leben im Glauben, das Früchte tragen soll (Lukas, 13,6–9).

Granatbaum (Punica granatum):

Ein Lustgarten sprosst aus dir, Granatbäume mit köstlichen Früchten, Hennadolden, Nardenblüten, Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt, alle Weihrauchbäume, Myrrhe und Aloe, allerbester Balsam.

Hohelied 4,13–14

Der Granatbaum war eine wichtige Nutzpflanze, die zum Färben, für die Tintenherstellung und in der Medizin eingesetzt wurde. Ebenso wie der Wein steht er für die Fruchtbarkeit des Landes (4. Mose, 13,23) und symbolisiert auch die Schönheit der Frau. Wegen der klimatischen Bedingungen im Norden Europas ist anstelle des Granatbaums ein Zwergstrauch (Punica granatum nana?) gepflanzt worden.

Die Knechte fragten: Sollen wir gehen und das Unkraut ausreißen? Jesus entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides zusammen wachsen, bis zur Ernte.

Matthäus 13, 28-30

Die symbolische Bedeutung von Brot, dem wichtigsten Getreideprodukt, wird in seiner Verwendung beim Abendmahl offenkundig (z.B. Matthäus 26,26).

Pflanzen der Klostergärten und der christlichen Legende

Die Mönche sammelten umfangreiche Erfahrungen mit der Heilwirkung von Pflanzen, die sie in den Klostergärten kultivierten. Hildegard von Bingen (1098–1179), Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Rupertsberg bei Bingen, verfasste umfangreiche Werke zur Heil- und Naturkunde, die auch eingehende Beschreibungen einiger im Bibelgarten gezeigten Pflanzen enthalten. Lavendel und Johanniskraut, Frauenmantel und Süßholz seien hier beispielhaft genannt. Doch auch Pflanzen, die Bezug zu biblischen Geschichten haben, können im Garten entdeckt werden wie der Judasbaum und die Jakobsleiter. Es heißt, dass Judas sich an einem Judasbaum (Cercis siliquastrum) erhängt habe, woraufhin die Blüten vor Scham errötet seien. Die Samen, die in langen Schoten verborgen sind, erinnern an Silberlinge, für die Judas Jesus verriet.

Diese und andere Legenden und der so wichtige Symbolgehalt der im Bibelgarten gezeigten Pflanzen kann einer Informationsbroschüre  im Garten entnommen werden.

Der Bibelgarten gibt damit einen Einblick in die Pflanzenwelt, die einen Bezug zur Bibel besitzt. Er kann auch Anstoß sein, sich außerhalb des Gartens mit dem Symbolgehalt der Pflanzen in der Bibel auseinander zu setzen und zu weiteren Erkenntnissen über die menschliche Kulturgeschichte zu gelangen.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

wenn der Wind darübergeht,

so ist sie nimmer da,

und ihre Stätte kennt sie nicht mehr

Psalm 103, 15-16

Adresse

Am St. Johanniskloster 4
24837 Schleswig
Telefon 04621 - 25853

Eigentümer: Nordelbisches Bibelzentrum St.Johanneskloster

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Eisenbahn Schleswig

Icon Bus 1504 Hafen

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Gruppen und Einzelpersonen nach Voranmeldung, T 04621 25853, kostenpflichtig, 1,50 Euro
Veranstaltungen: Vorträge, Tagungen

Angebote für Kinder

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei Petersen

Weiterführende Informationen

Ostseefjordschlei GmbH
Tourist Information Schleswig
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