Route 1: Schleswig-Schlei
Märchen und Mythen der Schleigärten
Bauerngarten Chalupka

Ein erster Überblick

Bauerngarten Chalupka Heidi und Michael Chalupka haben die kleinbäuerliche Hofanlage in baufälligem Zustand übernommen und inzwischen eine Oase für sich, ihre Tiere und ihre Gäste geschaffen. Über alles wacht der Hauswurz (Sempervivum), der seinen Platz auf dem Reetdach des Bienenhauses mit seinen vier Völkern gefunden hat. Hier in Hestoft werden Gartensehnsüchte erfüllt: Schlendern im buchsbaumgefassten Wegekreuz zwischen Margerite und Rittersporn, Schnuppern an Rosen wie ‘Louise Odier‘ und ‘Celsiana‘ oder sich niederlassen unter einem Apfelbaum mit Blick auf die Coburger Fuchsschafe Oskar und Frieda, Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Haustierrasse. Romantische Sitzplätze sind scheinbar beiläufig in den Garten integriert – wo soll man mit dem Sitzen beginnen? Auch den Besuch des kleinen Museums auf der „Loh“, der Diele des Hauses, darf man nicht versäumen. In diesem Kleinod wird ein Einblick in das Leben und Wirtschaften auf einer kleinbäuerlichen Hofstelle gewährt.

Kobolde auf dem Dach

Hauswurz, Steinwurz, Donnerwurz: die Namensvielfalt dieser Dickblattgewächse der Gattung Sempervivum ist so verwirrend wie ihre Arten- und Sortenvielfalt. Es sind alte Heil- und Zauberpflanzen. Schon Karl der Große hatte angeordnet, dass jeder Gärtner auf seinem Dach 'Jupiter-Bart' (Hauswurz, Donarsbart, Donnerwurz) haben solle. Jupiter und Donar galten als Götter, die den Blitz unter ihrer Kontrolle hatten, und Hauswurz sollte Blitzeinschlag und Brand fern halten. Glaubt man Hexen, ist während der Pflanzung auf dem Dach der Spruch: „du Hauswurz bist als Deck; halt Feuer und Flammen weg!“ aufzusagen. Unter Hexen ist auch bekannt, dass die Hauswurz nur am Donnerstag, dem Tag Donars gesammelt werden sollte, um ihre Kräfte entfalten zu können.

Der einmalige Staudengärtner Karl Foerster (1874–1970) bezeichnet die Donnerwurz als das echte Sempervivum tectorum, das sich ohne Erde jahrzehntelang auf Dächern (lat. Tectum = Dach) hält. Auch das Bienenhaus bei Heidi und Michael Chalupka ist durch die Hauswurz gut bewacht.

Neues Leben im Niederdeutschen Fachhallenhaus

„Hinrich Hinrichsen Anno 1756 den 26. Märtz“ lautet die Inschrift des Torbalkens zur Loh, der Diele des Niederdeutschen Fachhallenhauses. Kleinbäuerliches Wirtschaften hat das Leben im Haus über lange Jahre bestimmt. Der Lauf der Zeit brachte auch andere Nutzungen mit sich – bis das Haus als Ferienhaus diente und dann zusehends verfiel. 1993 übernahmen Heidi und Michael Chalupka die Hofanlage. Das Haus wurde unter Denkmalschutz gestellt und mit viel Sachkenntnis unter Verwendung traditioneller Baustoffe wie Kalkputz und Mineralfarben saniert.

Die historischen Wohnräume werden auch heute wieder als solche genutzt. Die Lohdiele dagegen wurde wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Sie vermittelt einen Eindruck von der Bescheidenheit und Vielfalt des ländlichen Lebens im 18. Jahrhundert. Auf einer Fläche von nur etwa 60 m² stand das Vieh, und unterschiedlichste landwirtschaftliche Tätigkeiten vom Dreschen bis zur Milchverarbeitung wurden vorgenommen. Die dazu notwendigen Gerätschaften – auch für die Imkerei und Hausschlachtung – wurden von den Chalupkas hier zusammengetragen und anschaulich ausgestellt. Nachdenklich stimmt die knapp 4 m² große Kammer des Knechts, die erahnen lässt, wie hart das Leben auf dieser kleinen Hofstelle gewesen sein muss, die sich heute so romantisch darstellt.

Eine romantische Arche Noah

Die Kleinräumigkeit im Inneren des Niederdeutschen Fachhallenhauses findet sich draußen wieder. Der Garten bildet eine fantastische Einheit mit dem Haus. So wird deutlich, dass es früher auf dem Hof für Repräsentation keinen Platz gab, sondern dass jeder Flecken Erde genutzt werden musste. Diese Intensität spricht aus dem 3.000 m² großen Garten, der so vieles zur Eigenversorgung liefert: Eier, Honig, Fleisch und natürlich Obst und Gemüse. Da der Garten aber nicht mehr die alleinige Lebensgrundlage darstellt, bleibt viel Raum für üppigsten Blumenflor und die Leidenschaft für Rosen. Diese haben an vielen Stellen im Garten ihre Plätze gefunden und sind in einem Gartenplan am Eingang zur Hofstelle sorgfältig mit Sortennamen, Blütenfarbe und Züchtungsjahr verzeichnet. Die Apothekerrose, Damaszenerrosen und Centifolien gehören zu den Schönheiten in diesem Garten. Gerade mit den Centifolien, zum Beispiel ’Daphne’ und ’The Bishop’, sind hier historische Rosen zu finden, die in Angeln eine lange Tradition haben.

Raritäten und selten gewordene Tierrassen und Pflanzensorten haben es Heidi und Michael Chalupka besonders angetan. Nicht nur die Coburger Fuchsschafe sind eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, auch andere selten gewordene Nutztiere wie die Zwerghühner der Rasse Chabo und die Bienenrasse Carnica leben auf dieser Arche. Auch bei den Obstsorten sind seltene wie klangvolle Namen vertreten: der Angler Rübeapfel und Beretzkys Birnenquitte beschatten den Garten, und an einem heißen Sonnentag kann man hervorragend unter den Altländer Pfannkuchenapfel Platz nehmen, der einst ein begehrter Wirtschaftsapfel war und 1840 – sein Name legt das nahe – im Alten Land bei Hamburg gefunden wurde.

’Schöne aus Angeln’

Auch die Rose ‚Schöne aus Angeln’ kann im Garten bewundert werden. Den Worten von Annette Riech, einer Rosenenthusiastin aus Sörup, über diese Schönheit ist nichts hinzuzufügen:

„Die heute allgemein "Schöne aus Angeln" genannte kleine Rose war meine erste historische – vor 25 Jahren von einer Tante meines Mannes geschenkt, sie hatte diese Rose von ihrer Mutter, also der Großmutter meines Mannes. Natürlich war sie ein Ausläufer, ich habe inzwischen Unmengen davon verschenkt.

Für mich ist sie die duftstärkste Rose, und ich sammle bevorzugt duftende. Gerda Nissen hatte sie als Weiße Demaux identifiziert, was sie eindeutig nicht ist. Dafür weiß aber auch sonst niemand, was sie sein könnte, die Mischung aus allen möglichen Rosenfamilien stimmt, man kann sie nicht zuordnen, das Laub einer Alba, die Blüte Centifolie, der Duft Damaszener oder so ungefähr, jedenfalls nasenbetäubend, da kommt keine andere ran. Hat sie die Frosthärte von den Gallicas? Ich halte sie für ein "Kind der Liebe", einen munteren Bastard, der wegen seiner vielen Vorzüge immer einen Platz in den Gärten hatte.

Sie ist unkaputtbar, blüht je nach Witterung bis zu drei Wochen, aber nur einmal, eine Blüte reicht, um einen Raum zu parfümieren, leider hält sie in der Vase nur einen Tag.

Wuchshöhe variiert je nach Standort, in einer zugigen Ecke errreicht sie grad 60 cm, auf dem Grab meiner Mutter klettert sie in einer Eibe 3 m hoch...

Kaufen kann man sie als veredeltes Teil bei Schütt, dort bekam sie auch den Namen, unter dem sie hier in Angeln aber inzwischen auch bekannt ist... und ich möchte sie nicht missen.“

Farbenfroher Gartenschmuck

Bilden die Nutzflächen des Gartens, also die Schafweide, der Hühnerhof, das Bienenhaus den äußeren Kranz der Hofanlage, so sind nahe am Haus farbenprächtige Schmuckbeete entstanden. Auf der Südseite des Hauses liegt ein kleiner, durch einen Wall geschützter Sitzplatz, der dazu verführt, umhüllt von Rosenduft ein Buch zur Hand zur nehmen.

Nur wenige Schritte weiter ist eine Gartenpartie mit zwölf von Buchsbaum gefassten Beeten entstanden, in denen Rosen und farbenfrohe Stauden ein Stelldichein geben, darunter mit Phlox, Margeriten, Malven und Schafgarbe typische Vertreter des Bauerngartens. Ein dekorativer Ziehbrunnen erinnert daran, dass Wasser nicht immer so leicht zu haben war wie heute.

An die mit Buchsbaum gefassten Beete grenzt ein kleiner sinnlicher Garten, in dem Kräuter und Gewürze nicht nur das Auge, sondern insbesondere die Nase reizen, unwillkürliches Berühren und Zerreiben eingeschlossen.

Die liebevoll errichteten Nebengebäude wie das Hühnerhaus, das Bienenhaus und der Schafstall bilden aus dem Inneren des Gartens wunderbare Blickfänge.

Naturerfahrung für Kinder – und für Erwachsene!

Begeisternd ist die Offenheit, mit der Heidi und Michael Chalupka andere an ihrem schönen Anwesen teilhaben lassen. Steht das Tor zur Loh offen, ist jedermann eingeladen, das kleine Museum und den Garten zu besuchen. Die Besitzer halten sich dabei sehr im Hintergrund, stehen aber für Fragen gern zur Verfügung. Sie geben ihre im Garten und in der Natur gewonnenen Erkenntnisse gern weiter – insbesondere an Kinder und Jugendliche. Es kann zu spontanen Führungen kommen, aus denen spannende Ausflüge in die Welt der Vögel und Insekten, der Amphibien und natürlich auch des Gartens werden können. Welcher Vogel brütet wohl in welcher Höhle? Wie sieht es aus im Bienenstaat? sind Fragen, auf die der Hausherr spannende Antworten parat hat.

Adresse

Hestoft 24
24897 Ulsnis
Telefon 04622 - 180010

Öffnungszeiten

wenn das Tor offen ist, Gruppen nach Vereinbarung
Eintritt: freiwillige Spende

Anreise

Icon Parken straßenbegleitend

Icon Bus 1625 Hestoft

Serviceinformationen

Icon Hund verboten   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Nach Voranmeldung, T 04622 - 180010, Themenschwerpunkte je nach Interesse des Besuchers

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Kirche St. Wilhadi

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen