Route 6: Neumünster
Zu grünem Werk und Ernteglück
Garten der Villa Wachholtz

Ein erster Überblick

Garten der Villa Wachholtz

Als der Zeitungsverleger Karl Wachholtz 1924 die für den Buntpapierfabrikanten Paul Ströhmer errichtete Villa (1903) erwarb, veranlasste er nicht nur den Umbau des Hauses, sondern ließ auch den Garten im Sinne eines Landhausgartens als Wohnraum im Freien modernisieren. Wachholtz beauftragte mit dem Lübecker Gartenkünstler Harry Maasz (1880–1946) einen bekannten Vertreter der Gartenkunstreform des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser schuf 1925 einen stimmungsvollen Garten mit rahmenden Baumalleen, sich öffnenden grünen Räumen, Natursteinmauern und expressiv anmutenden Beeten. Er zählt zu den wenigen noch erhaltenen Gärten dieser Art, den die Gerisch-Stiftung nach seiner Wiederherstellung als Teil ihres Skulpturenparks an der Schwale wieder erlebbar macht. Schon von weitem erkennbar ist das Kunstzentrum an seiner neuen skulpturalen Parkmauer: Der Berliner Künstler Olaf Nicolai lässt den Betrachter wie durch eine Wohnzimmergardine in den Park blicken.

Ein Landhausgarten der Gartenkunstreform

Das Verlegerehepaar Karl und Else Wachholtz ließ ab 1924 die vom Architekten Hans Schnittger (1873–1934) erbaute Villa von 1903 durch den Neumünsteraner Architekten Friedrich Willem Hain (sen.) umbauen. Zu den Umbauten und Ergänzungen gehörte eine holzverkleidete Glasveranda und eine verglaste Überdachung an der Nordseite des Hauses.

In diesem Zusammenhang sollte auch ein neuer Garten entstehen, der klaren Bezug auf das Haus und seine Funktionen nahm. In den Jahren 1924–26 wurde dieser umgesetzt.

Die neue, qualitätvolle Gestaltung nach den Ideen Harry Maasz‘ teilte den Garten in verschiedene Räume, wie es für die Reformbewegung dieser Zeit, die sich aus der Diskussion von Architekten und Gartenkünstlern um die Gestaltung entsponnen hatte, typisch war. Aus dem schon vorher bestehenden Landschaftsgarten übernahm Maasz Teile des vorhandenen Baumbestandes und fügte den Garten harmonisch in den Bogen der Schwale und damit in die umgebende Landschaft.

Am Haus ist der Garten auch heute noch mit Mauern und Hecken klar gegliedert. Dies lässt Haus und Garten durch die architektonischen Formen verschmelzen, „verankerte“ die Architektur nach Maasz eigenen Worten „fest im Gelände“. Wie ein Zimmer liegt die Feldsteinterrasse vor der zentralen Halle das Hauses. Eine Stufenanlage, deren feldsteinerne Mauern mit Polsterstauden und kriechenden Gehölzen bepflanzt sind und waren, führt in den tiefer gelegenen Garten am Fluss. Auch Rhododendron prägen die Terrassen, in Sorten wie beispielsweise ‘Roseum Elegans‘, ‘Catawbiense Boursault‘, ‘Album Novum‘ und ‘Madam Carvalho‘. Einige dieser alten Sträucher sind, wie auch die Mauern, noch heute erhalten. Von der Terrasse fällt der Blick auf eine heute grandiose Trauerbuche, die Maasz auf einem herzförmigen Rasenplatz besonders zur Geltung brachte. Der als Naturdenkmal eingetragene Baum besteht eigentlich aus drei Hängebuchen, die noch aus dem alten Landschaftspark stammen. Dahinter fließt der Garten in die landschaftlichen Formen der Auenlandschaft der Schwale.

Westlich des Hauses erstreckt sich ein Waldgarten, der von einer umlaufenden Baumallee aus Linden (Südwesten) und Kastanien (Nordwesten) kulissenhaft gerahmt ist. Diese Bäume waren schon Teil der Vorgängeranlage und bildeten für Maasz den gewünschten architektonischen Rahmen für den Waldgarten. In der Mitte ergibt sich so ein Gartenraum in Form einer geschützten Lichtung, wodurch ein naturnahes Waldbild in die gestaltete Anlage integriert wird. Auf einem alleegesäumten Spazierweg rund um die Lichtung und einen Sitzplatz lässt sich die Waldpflanzung mit blühenden Wildstauden, wie Buschwindröschen, Veilchen, Waldmeister oder Fingerhut, auch von Nahem erleben.

Beete in bizarren, gezackten Formen und ein üppiger Staudengarten nordöstlich des Hauses lassen den Einfluss des Expressionismus auf die Gartenarchitektur Maasz‘ erkennen. Nördlich des Staudengartens schloss sich einst ein abgetrennter Gemüsegarten zur Selbstversorgung an. Dieser Gartenbereich, der in etwa da lag, wo sich heute im angrenzenden Gerisch-Skulpturenpark ein Teich befindet, war in traditioneller Nutzgartenform mit Wegekreuz gestaltet. Der ehemalige Hühnerstall des Gemüsegartens steht noch im Skulpturenpark. Der ehemalige heckenumschlossene Wirtschaftshof östlich des Hauses ist heute in Teilen mit einem Gebäude aus den 1970er Jahren überbaut.

Der Gartenkünstler Harry Maasz

Neben Leberecht Migge, Alfred Lichtwark und Fritz Schuhmacher gehört Harry Maasz (1880–1946) zu den führenden norddeutschen Vertretern der Gartenkunstreform zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sein beruflicher Weg führte ihn nach der Ausbildung an der Königlichen Gärtner-Lehranstalt in Potsdam-Wildpark nach Beelitz, Magdeburg, Kiel, Stuttgart und Hamburg, bevor er 1912 zum Lübecker Gartenamtsleiter wurde. Nach zehn Jahren im Amt machte er sich ab 1922 mit seinem Atelier für Gartengestaltung in Lübeck selbständig. Neben privaten Landhaus- und Villengärten legte er auch zahlreiche Ehrenmale und Friedhöfe an. Nur wenige seiner Gartenprojekte überdauerten allerdings unverändert die Zeit. Der 1924–1926 angelegte Landhausgarten an der Villa Wachholtz in Neumünster stellt neben den Lübecker Gärten und den Ehrenmalen damit eines der letzten Zeugnisse seines Schaffens in Schleswig-Holstein dar.

Alte und neue Kunst im Garten

Seit 2006 werden der denkmalgeschützte Garten und das Haus durch die Herbert-Gerisch-Stiftung umfassend saniert und entwickelt und ab Herbst 2007 als Kunstzentrum zusammen mit dem Gerisch-Skulpturenpark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Lange Jahre war das Gelände zwar genutzt aber nicht seinem künstlerischen Wert entsprechend unterhalten worden: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen zunächst von den Engländern beschlagnahmt und dann zum Heim für jugendliche Spätaussiedler (1957–63), Stützpunkt der evangelischen Soldatenbetreuung (1963–1975) und seit 1975 bis in die 1990er Beratungszentrum Mittelholstein. Weitere Einschnitte brachte die Schwaleregulierung von 1958 mit sich. In den 1970er Jahren entstand im Bereich des Wirtschaftshofes und Staudengartens zudem ein Einfamilienhaus.

Dennoch ist der Garten an der Villa Wachholtz in seinen Grundstrukturen erhalten geblieben, war jedoch bis noch vor kurzem stark sanierungsbedürftig. Im Zuge der Wiederherstellungen, die 2006 begannen, wurde die Terrassenanlage aus Feldstein behutsam saniert und die vorhandenen alten Rhododendren durch Rückschnitt revitalisiert. Terrassen-, Wald- und Staudengarten wurden mit ihrem erhaltenen Baumgerüst mit einer neuen Bepflanzung versehen, die in ihrer Zusammensetzung der historischen Pflanzenauswahl entspricht. Verloren gegangene Bäume, die ehemals entscheidend zur Raumwirkung des Gartens beitrugen, wurden ergänzt.

Der wiederhergestellte kunstvolle Garten Harry Maasz‘ fließt über die Schwale in den angrenzenden Gerisch Skulpturenpark, dessen Zentrum die sanierte alte Villa Wachholtz als Kunst- und Kulturzentrum wird. Architektur, Kunst, Kultur und Natur verbinden und ergänzen sich hier in harmonischer Weise.

Ein Ausstellungsprogramm in der Villa nimmt sich den Themen des Gerisch-Skulpturenparks an: der arkadischen Idylle und ihrer Übersetzung in die Sprache der zeitgenössischen Kunst, in Malerei, Skulptur, Fotografie und Videokunst. Doch auch die Klassiker kommen zu Wort: Schon zur Eröffnung werden Grafiken und Plastiken des großen englischen Bildhauers Henry Moore gezeigt – als skulpturale Antworten auf die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Natur im 20. Jahrhundert.

Auch im Garten der Villa Wachholtz sind einige kunstvolle Neuerungen vorgesehen, die sich in die Maasz‘sche Gestaltung einfügen und eine weitere gestalterische Schicht in den Garten bringen. So wird die bestehende Zaunanlage, die 1925 nach Entwürfen des Architekten Hain in Form eines Holzlattenzauns mit Klinkerpfosten gebaut wurde, durch einen neuen Zaun des Berliner Künstlers Olaf Nicolai ersetzt. Bedruckte Glasplatten als Zaunfelder vermitteln dabei den Eindruck, als blickte man durch eine Gardine in den Park. Zukünftig sollen dem Blätterrauschen der alten Allee auch kunstvolle übergroße Baumskulpturen lauschen, die der Künstler Bogomir Ecker an den Baumstämmen anbringt. Hierbei handelt es sich um skulpturale Objekte in tief roter Farbe, die wie Geisterwesen „zwischen Fiktion und Rinde“ stehen und zugleich Behausungen für Vögel sind.

Adresse

Brachenfelder Straße 69
24536 Neumünster
Telefon 04321 – 555120

Eigentümer: Herbert-Gerisch-Stiftung

Öffnungszeiten

Mi-So 11–18 Uhr; im Sommer von April bis Oktober am Wochenende bis 19 Uhr
Eintritt: Eintrittsgebühr

Anreise

Icon Parken City-Parkhaus Plöner Str. 27 / Ecke Brachenfelder Str. (Fußweg 8 Min.)

Icon Eisenbahn Neumünster

Icon Bus Anruf-Linien-Taxi B "Brachenfelder Straße"

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage, T 04321 – 555120
Veranstaltungen: Umfangreiches Kulturprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen, Workshops, Konzerten und Theater, Malwerkstatt

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Harry Maasz

Veranstaltungsorte

Standesämter: Gerisch-Galerie
Kulturstätten: Herbert-Gerisch-Stiftung
Film & Foto: Gerisch-Skulpturenpark

Freundeskreise und Fördervereine

Malschule Neumünster e.V.

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Stadt Neumünster

 

Kontakt

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